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KUNST

Verspielt: Werke von David O’Kane

in der Stiftung Starke

Der Lehrer hat unverkennbar seine Spuren hinterlassen. Geradezu altmeisterlich wirken die großformatigen Ölbilder und Zeichnungen von David O’Kane im Löwenpalais der Stiftung Starke in Grunewald (bis 31.3., Königsallee 30/32, Mo–Fr 10–17 Uhr). Dort war der junge Ire bis vor kurzem Artist in Residence. Zuvor hatte er bei Neo Rauch als Meisterschüler studiert. Er ist 27 Jahre alt, Nachwuchs der figurativen Leipziger Schule – und setzt neben der Malerei mit Videos und Installationen doch eigene Akzente.

So hat O’Kane in seine Ausstellung „Homo Ludens“, in der sich alles ums Spielen dreht, das legendäre Schach- Match zwischen Weltmeister Garri Kasparow und einem Computer in Stop-Motion nachgestellt, die Holzfiguren bewegen sich wie mit Geisterhand. Späne fallen, es ist eine Schlacht. O’Kane ist selbst ein Spieler, er liebt Querverweise aus Kunstgeschichte, Literatur und Philosophie. Da hängt der tote Ludwig Wittgenstein gegenüber einem abgeschlagenen Löwenkopf – das nimmt Bezug auf ein Bonmot des Philosophen: „Wenn der Löwe sprechen könnte, wir könnten ihn nicht verstehen.“ Und immer wieder irrlichtert Goya durch die Ausstellung. Sei es in dem flirrend bedrohlichen Bild eines gefesselten, knienden jungen Mannes oder in einer anderen Arbeit, die eine riesenhafte Holzskulptur zeigt. Sie ist nicht nur das Porträt von O’Kanes Vater, sie erinnert auch an Goyas „Koloss“. O’Kane nimmt es aber spielerisch genug, als dass man das alles wissen müsste. Kunst ist ein ewiges Zitieren, sagt er, da kann es auch zu Missverständnissen kommen. Das ist dann fast schon Konzeptkunst.Anna Pataczek

MUSIKTHEATER

Verflacht: „Vanitas“ in der

Werkstatt
des Schillertheaters

Ein Blick auf die leere Bühne der Staatsopern-Werkstatt im Schillertheater: Da sitzen nur ein Cellist und eine Pianistin in Konzertbekleidung. Wird das ein Kammerkonzert oder Musiktheater? Tatsächlich kommt Salvatore Sciarrinos Stillleben in einem Akt „Vanitas“, das aus fünf Liedern zusammengesetzt ist, mit minimalsten Mitteln aus (wieder 19., 21., 26. und 28.3. sowie 2. und 3.4.). Eine Stimme mit Klavierbegleitung und ihr Echo im Cello genügen, die Spannung zwischen Leben und Endlichkeit, zwischen Traum und Wirklichkeit in ihrer Vielschichtigkeit auszuleuchten.

Die Vanitas – Latein für „Eitelkeit“ und „leerer Schein“ – durch einen bildlosen Rahmen und ein alterndes Paar in glitzernder Abendgarderobe darzustellen, reduziert die Thematik allerdings auf eine konkrete Ebene, die dem Meister des Unausgesprochenen, der Stille und Leere kaum entspricht. In dem Paar personifiziert Regisseurin Beate Baron die Welt des Traums und stellt sie in Spannung zur Wirklichkeit, der die Sängerin Rowan Hellier standhaft Stimme und Gestalt leiht. In mechanischen Bewegungen platzt sie immer wieder zur Tür hinein, lässt gleißendes Licht in den Raum strömen gegen den illusorischen Reigen, in dem sich das Paar wiegt – und verendet schließlich kläglich. Die Interaktion dieser Welten bringt Baron an ein stimmiges Ende, das Paar macht sich zum Schluss vor der krepierenden „Wirklichkeit“ diskret aus dem Staub.

Doch erstickt diese allzu eindimensionale Bildwelt Sciarrinos nuancierte, reduziert gestische Musik, die nicht Illustration und Handlung braucht, sondern einen Raum, um zu wirken. Die vielgeliebte Videoebene mag da auch nicht helfen: zwei große Portraits des alten, ungeschminkten Paars tragen nur zur weiteren Verflachung bei. Wie von Ballast befreit atmen die letzten Takte auf, als das Trio allein im Raum übrig bleibt. Das Echo selbst wird zur Stimme und stirbt schließlich in einem scheinbar endlosen Glissando dahin. Barbara Eckle

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