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POP

Schwarze Vögel und blutrote Rosen:

Andrea Schröder im Frannz

Aus den obskuren Untiefen des Internets tauchte Andrea Schröder ans melancholische Herbstlicht des letzten Jahres mit dem berauschenden Debütalbum „Blackbird“ empor. Die tiefe verhauchte Stimme macht ihre dunklen Songgedichte so reizvoll. Mit schwarzsamtiger Wärme und Weichheit besingt sie die kalte Härte des Lebens. Hoch schwebend blickt sie in die Abgründe der Seele. Mit tiefem Gefühl, ohne dabei in Kitsch abzustürzen. Und immer umweht sie dabei etwas Geheimnisvolles. Genaues über sie weiß man nicht. Außer, dass sie derzeit im Wedding lebt. Oft wird sie verglichen mit Nico und Nick Cave. Doch erfreulicherweise hat sie weder Nicos schräge Intonation noch Caves hölzerne Posen. Gemeinsam ist ihnen das Faible fürs Düstere. Für schwarze Vögel, blutrote Rosen, Geisterschiffe.

Auch beim Konzert im Frannz ist alles schwarz und düster. Andrea Schröders schwarzpelziger Umhang wirkt wie das Gefieder einer gezausten Krähe. Und da sind die schweren Songs, die schweren Lider und hängenden Mundwinkel der Musiker, der dunkle Bass, das filzgeklöppelte Schlagzeug mit zischenden Becken. Die sparsam schönen Ornamentierungen Jesper Lehmkuhls auf der Konzertgitarre, die aber weniger klassisch klingt als nach elektrischem Twang. Schröder quetscht hypnotische Töne aus einem Taschenharmonium und braucht ein bisschen bis sie zur Ruhe und Ausgeglichenheit findet, die ihren Liedern am besten stehen. Zu beseeltem Sechsachtel singt sie „I’ve got to do what I’ve got to do“. Ja, sie tut, was sie tun muss, und sie macht es gut. Eine bezaubernde Stunde lang, und als Zugabe die neue Single: eine brillante Version von Bowies „Helden“. Sicher ist sie eine Heldin für länger als einen Tag. H.P. Daniels

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