KURZ  &  KRITISCH : KURZ  &  KRITISCH

von
Stilbewusst. Sänger Carsten Friedrichs (2. v. r.) und seine Gentlemen. Foto: Martin Morris
Stilbewusst. Sänger Carsten Friedrichs (2. v. r.) und seine Gentlemen. Foto: Martin Morris

KLASSIK

Klangklarheit: Osmo Vänskä und

Stephen Hough in der Philharmonie

Eigentlich passt das Stück gar nicht unter den nordischen Himmel dieses Konzertabends, an dem Osmo Vänskä nicht nur skandinavisches Kernrepertoire dirigiert, sondern überdies auch noch als Mitwirkender an der monumentalen Sibelius-Edition des Labels BIS mit einem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik geehrt wird. Und wäre das a-moll-Klavierkonzert des Mozartschülers Johann Nepomuk Hummel nicht sowieso besser für historische Instrumente geeignet, die mit ihren Klangfarben für jenen frühromantischen Hauch sorgen, ohne den diese Musik so schnell welk wirkt?

Groß ist daher die Überraschung in der Philharmonie über das grandiose Plädoyer, dass Stephen Hough in freier Rede auf dem schweren Steinway für das Werk hält. Sein Schlüssel zu Johann Nepomuk Hummel ist seine ebenso stupende wie intelligent eingesetzte Virtuosität, mit der er die Bedeutung des Komponisten und Pianisten als fehlendes Glied zwischen Mozart, Chopin und Liszt schlagartig begreifbar macht. Es ist eine Virtuosität, die nicht plump beeindrucken, sondern physisch von der Freude an der Entgrenzung erzählt und in dieser Entgrenzung auch romantisch wirkt.

Nicht weniger zwingend ist das Plädoyer, das Osmo Vänskä und das hervorragend aufgelegte Deutsche Symphonie-Orchester am Ende des Abends für Jean Sibelius und seine 5. Symphonie halten. Vänskä leugnet dabei nicht, dass auch die Nachahmung von Naturklängen bei Sibelius Musik eine Rolle spielt. Doch mit der zwingenden Klarheit von Klang und Struktur überzeugt er auch diejenigen, die nicht glauben wollen, dass es Sibelius ernst war, als er davon sprach, wie sehr ihn die „strenge Logik“ der symphonischen Form fasziniere. Carsten Niemann

Übertragung 28. April ab 20.04 Uhr im Kulturradio des rbb

POP

Kickerglück: Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen im Lovelite Man kann sich kaum bessere Partygäste für das Jubiläum eines Fußballvereins vorstellen als Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen. Denn die im vergangenen Jahr gegründete Superpunk-Nachfolgeband um Sänger Carsten Friedrichs und Bassist Tim Jürgens steht auch für die Verbindung von Ballsportkultur und Musik. Songs wie „Die Gentlemen- Spieler“ und „Nimm mich mit zum Spiel“ etwa sind Liebesklärungen an den Fußball.

Der Verein Tennis Borussia Berlin feiert seinen unrunden 111. Geburtstag – und zur Feier im Friedrichshainer Lovelite spielt Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen den passenden Soundtrack. Der an Sixties, Bebop und Soul angelehnte Sound der fünfköpfigen Gruppe aus Berlin und Hamburg kommt am Samstagabend bei den etwa 250 Zuschauern gut an, ohne die ganz große Begeisterung auszulösen.

Das jüngst erschienene Album „Jeder auf Erden ist wunderschön“ wird vorgestellt, eine gute Stunde lang rocken die fünf Gentlemen. Zwischendurch berichtet Carsten Friedrichs von Begegnungen mit dem Tour-Tross von Gunter Gabriel auf der Autobahnraststätte – offenbar eine traumatische Erfahrung. In den eigenen Liedern widme man sich daher lieber der wirklich guten Musik, erklärt er. Und so huldigt die Liga der gewöhnlichen Gentlemen anschließend mit „Der fünfte Four Top“ den Detroiter Soulklängen der sechziger Jahre.

Es ist gutes bis sehr gutes Entertainment, das die fünf Herren auf die Bühne bringen. Orgel, Saxofon und Original-Sixties-Gitarrensound sorgen dafür, dass die Gentlemen nah an ihre Vorbilder heranreichen. Vor allem aber sind es die alltagsnahen Texte von Carsten Friedrichs, die vielen im Publikum ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Er singt über „Meine Jeans“ oder „Frühling im Park“ und bittet: „Weine nicht, es ist nur ein Film“. Zur ganz großen Live-Nummer allerdings fehlt den Gentlemen das Wilde, das Rohe. Einige Stücke plätschern einfach nur so dahin. In Sachen Bühnenpräsenz könnten sie sich noch etwas bei den Meistern aus den Sechzigern abschauen. Jens Uthoff

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben