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KLASSIK

Letzte Arie: Anna Caterina Antonacci beim DSO in der Philharmonie

Kleopatra – Objekt der Fantasie, Heilige, Hexe, Legende: Kaum eine Königin ist ihr in der Rangliste der Popularität vergleichbar. Im Jahr 30 v. Chr. entzieht sich die Ägypterin, die in der Berichterstattung seit jeher für Erotik und Kalkül, Intellekt und Emotion steht, durch einen Schlangenbiss der Kränkung, als Besiegte im Triumph durch Rom geführt zu werden. Eine Kunstvorlage ohne Ende.

„La mort de Cléopâtre“ bedeutet die letzte Arie nicht nur vor dem Tod, sondern vor dem Selbstmord. Die dramatische Solokantate von Berlioz mit ihrer grandiosen „Méditation“ wird in der Philharmonie zum zentralen Ereignis, weil eine Interpretin ersten Ranges sie deklamiert: Anna Caterina Antonacci hat für diese Musik eine genuine Theaterwürde, ganz Tragödin von Vorstellungskraft und Timbre. Eine 52-jährige Sängerin aus Ferrara, deren erstaunlich unverbrauchte Stimme allen Ausdrucks fähig ist.

Das Programm des Deutschen Symphonie-Orchesters zielt auf die schimmernde, schillernde Palette der Instrumentalfarben. Neigt der Dirigent Edward Gardner zu einer eigentümlichen Mischung aus Buchstabieren und Hyperaktivität des Musizierens, so animiert er das Orchester doch zu klanglichen Hochleistungen: in den „Sea Interludes“ von Britten, dessen „Peter Grimes“ der Deutschen Oper jüngst zum Triumph geriet, mehr noch in Bartóks Konzert für Orchester. Das Stück ist geschaffen, die Virtuosität der Spieler zu präsentieren: geschmeidig hier in den Gruppen der Bratschen oder Kontrabässe, amüsant in den „Paaren“ der Solobläser. Sybill Mahlke

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