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KLASSIK

Wolkenlose Welt: Thailand zu Gast bei Young Euro Classic

Träumerisch rankt sich eine Klarinette aus dem stimmungsvollen Klangteppich der Streicher empor und übergibt die Melodie fast zärtlich an die Oboe. Wolkenlos ist die Welt in der Musik von Thailands König Bhumibul Adulyadej – ja, richtig: von, nicht für, denn der Monarch ist auch Maler, Fotograf, Schriftsteller, Saxofonist und eben Komponist. Neben den königlichen „Drei Liebesliedern“ (1946 –58) hat die Siam Sinfonietta Auszüge aus der Ballettoper „Suriyothai“ von Somotow Sucharitkul, dem Gründer des Orchesters, mitgebracht, um sie unter der strammen Leitung von Trisdee na Patalung uraufzuführen. Westlich tonal und von gestischer, ja filmischer Qualität ist seine Musiksprache. Einen Sinn für das Dramatische beweist Sucharitkul auch als Dirigent von Mahlers erster Symphonie (Urfassung von 1888 mit dem zusätzlichen Blumine-Satz). Durch den Kopfsatz bewegt er das Orchester zaghaft wie durch eine fremde Stadt. Das lässt den Streicherklang unter dem groß gedachten Bogen bisweilen etwas kurzatmig wirken. Ein großzügigerer Pinselstrich bestimmt die Mittelsätze: Beherzt greift das Orchester im Scherzo in die Saiten. Mit Verve schmeißen sich die jungen Musiker in den derb grotesken Ländler. Wohl gibt Sucharitkul den kontrastreichen Wechseln viel Gewicht, aber das Parodistische, Bittersüße behält hier stets einen heiteren Grundcharakter. Barbara Eckle

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