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Tomasz Kurianowicz

KLASSIK

Starr vor Glück: Polen zu Gast

bei Young Euro Classic

Kaum zu glauben, was Tadeusz Wojciechowski aus seinem Orchester herauslockt: Der Dirigent leitet beim Young- Euro-Classic-Konzert die polnische Sinfonia Iuventus, die sich mit markigen Fanfaren und Fortissimo-Passagen nur so überbietet. Der Mann mit der grauen Mähne wirkt wie ein Kapitän, der sein Schiff durch Ungewitter und hohe See zu manövrieren versteht. Durch Emmanuel Chabriers „Fete polonaise“ führt er mit ekstatischer Hand. Die vielen Synkopen und retardierenden Momente schaffen einen mitreißenden Effekt: die Komposition klingt wie ein polnischer Tanz auf Schlittschuhen. Witold Lutoslawskis „Kleine Suite“ von 1951 bildet den sperrigen, modernen Gegenpol. Doch auch hier sind jene typisch polnischen Elemente versteckt: eine Hurra-Polka, ein Lied, ein Tanz. Das junge Orchester zeichnet sich durch eine hohe Präzision im Tempo aus, das hier zum wahren Leitmotiv avanciert. Ähnlich wie bei Lutoslawskis Violoncello-Konzert: Was der 33-jährige Solist Bartosz Koziak hier auf die Bühne bringt, ist fast schon eine Performance. Da wird aufs Griffbrett geschlagen, gezupft und gefidelt. Auf den genauen Einsatz der Mittel kommt es an. Und dann wieder diese ungeheure Intensität, diese breiten Bogenstriche, die ein ganzes Kaleidoskop an menschlichen Gefühlen hervorlocken – die bitterbösen wie die zuckersüßen. Das ist mehr als Musik, das ist Schicksal. Die Zuhörer wirken wie vor Glück erstarrt. Da hilft nur eins: stürmischer Applaus. Tomasz Kurianowicz

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