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Schmerzvoll. „Kleine Liegende“, 1956-58. Foto: Eric Tschernow/VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Schmerzvoll. „Kleine Liegende“, 1956-58. Foto: Eric Tschernow/VG Bild-Kunst, Bonn 2013

KUNST

Nixen und Göttinnen: Skulpturen von Rolf Szymanski in der Akademie

Schönheit geht in den Plastiken von Rolf Szymanski mit Schmerz einher, Vollkommenheit mit Versehrung. Schockierend bis heute die „Kleine Liegende“ von 1956-58, die in wohliger Entspanntheit geborsten zu sein scheint. In der aufschlussreichen Ausstellung der Akademie der Künste „Rolf Szymanski. Plastiken am Hanseatenweg“ lässt sich jedoch beobachten, wie sich die Balance verschiebt. Wie die Verletzung langsam in Wachstum übergeht, die Zerstörung in Entwicklung. Wie sich die Figuren schließlich aus der Rohheit herausschälen, bis sie die Unantastbarkeit von Göttinnen erreichen (bis 3.11. AdK, Hanseatenweg 10, Di-So 11-19 Uhr).

Rolf Szymanski, 1928 in Leipzig geboren, begann sein Studium 1945. In Berlin gehörten Bernhard Heiliger und Richard Scheibe zu seinen Lehrern. Lange leitete er die Sektion Bildende Kunst an der Akademie der Künste, zeitweilig war er deren Vizepräsident. Besonders berühren die frühen, kleinen Bronzen, denen der Krieg noch im Leib steckt. Die glatten Rundungen der „Warschauer Nixe“ von 1959/60 brechen auf in eine verletzte Schulterpartie. Unter der alten Buche im Hof versammeln sich dann archaische Frauenfiguren aus den Siebzigern und Achtzigern. Die „Große Sammlerin“ oder die „Fährfrau“ befinden sich im Prozess des Übergangs von Werden und Vergehen. In ihnen überschneiden sich Vergangenheit und Zukunft. Für Szymanski ist das der Moment, in dem – wie er sagt – „der Klumpen Leben abgibt“. Simone Reber

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