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von

YOUNG EURO CLASSIC

Später Jubel: Pascal Rophé und

das Orchestra Giovanile Italiana

Es kommt doch immer anders. Ein italienisches Orchester! Welche Assoziationen löst das aus: pulsierende Leidenschaft, sonnige Klänge, zitronengelbe Heiterkeit, ein Schuss jener MachoChuzpe, wie sie Silvio Berlusconi oder Francesco Schettino, Kapitän der Costa Concordia, vorführen. Klar, blöde Klischees. Dass das Orchestra Giovanile Italiana mit seinem Dirigenten Pascal Rophé im Konzerthaus aber so gänzlich anders auftritt, kommt dann doch unerwartet. Scheu und verhuscht tappelt Ravels „Le Tombeau de Couperin“ irrelevant vorüber. Zweifellos beweisen die Italiener großes Können, allein es fehlt das Feuer. Nur nach innen, in allen Stimmgruppen, leuchtet die Musik und bleibt im Analytischen stecken. Immerhin Silvia Colasantis Uraufführung „Responsorium“ beginnt mit einem großen Rums der Trommel, schwebende Klangflächen und krachlederne Passagen bewegen sich aufeinander zu und fusionieren schließlich. Das ist bezwingend. Meist aber kommt es selbst innerhalb der Stücke, etwa in Alfredo Casellas „Paganiniana“, zu unerklärlichen Spannungsabfällen. Schade angesichts des doch spannend konzipierten Programms, das bewusst aufs brillante Solokonzert, die auftrumpfende Sinfonie zugunsten eines Reigens bunt schillernder Suiten verzichtet. Erst im fulminant genommenen vierten Satz von Saint-Saëns’ „Suite algérienne“ fühlt sich das Publikum zu echtem Jubel angestachelt. In Strawinskys „Feuervogel“ stimmt dann alles: Konzentration, Technik, Klangüberwältigung. Ein später Erfolg. Den gemischten Eindruck, der ihm vorausging, kann er nicht verdrängen. Udo Badelt

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