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Volker Lüke

POP

Quietschfidel: die B-52’s

im Huxleys Neue Welt

Wo zum Henker sind die Bienenkorbfrisuren geblieben? Diese hochgestecken Bauwerke aus Frauenhaar, die in den Sechzigern groß in Mode waren und die man zuletzt noch bei Marge Simpson oder Amy Winehouse bewundern konnte. Benannt nach der Knubbelnase des legendären Langstreckenbombers B-52, waren die Frisuren Namensgeber für die B-52’s aus Athens, die seit 1976 ihren bombigen Partysound unter die Discokugel schleuderten: herrlich abgedrehte Gesänge, dazu superflotte Dance-Rock-Schüttelrhythmen, einen hypnotisierenden Sci-Fi-Orgelsound und die schnittige Raspelgitarre von Ricky Wilson, der 1985 an den Folgen von Aids starb. Keith Strickland wechselte vom Schlagzeug zur Gitarre, verkündete aber kürzlich, dass er zwar weiter zur Band gehöre, aber nicht mehr auftrete – und das erklärt, warum der Bursche an der Gitarre beim Konzert im ausverkauften Huxleys so verdammt frisch aussieht.

Der Wechsel schadet der Sache aber ebenso wenig wie die Tatsache, das Kate Pierson und Cindy Wilson seit dem Comeback vor fünf Jahren ihr Haar offen tragen und mittlerweile um die 60 sind. Sie präsentieren sich quietschfidel und bestimmen zusammen mit dem dritten Vokalisten Fred Schneider das Feld, während vier Musiker ihnen eine sprühende Kulisse bauen. Achtzig Minuten lang spielen die B-52’s einen bezaubernden Gig, der mit ungebrochener Vitalität an alte Zeiten anknüpft und trotzdem nicht zur NostalgieShow wird, weil die Band nichts von ihrer unbekümmerten Frische verloren hat. Die Zeit steht einfach still, bei Hits wie „Planet Claire“, „Private Idaho“, „Love Shack“ oder „Rock Lobster“. In dieser Form wird man die B-52’s noch eine gute Weile ertragen können. Der echte Bomber soll ja auch noch bis etwa 2040 im Dienst bleiben. Volker Lüke

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