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CROSSOVER

Spontan: Sebastian Studnitzky und David Orlowsky in der Emmauskirche

Musiker sind es gewohnt, sich von ihrem Management lange im Voraus verplanen zu lassen. Manchmal allerdings hätten sie’s denn doch gerne ein wenig spontaner. Darum haben sich David Orlowsky und Sebastian Studnitzky „Kreuz und quer“ ausgedacht: Immer am ersten Dienstag im Monat wollen sich künftig der Klarinettist mit Hang zum Klezmer und der auf Trompete wie Piano gleichermaßen versierte Jazzmusiker in der Kreuzberger Emmauskirche am Lausitzer Platz mit ein paar Künstlerfreunden treffen, nachmittags ein wenig herumexperimentieren und abends dann Publikum einladen.

Zum Start der neuen Crossover-Spontankonzerte schaut Lisa Bassenge vorbei, die gleich um die Ecke wohnt. Auf ihre schöne, zartbittere Art singt sie drei selbst vertonte Großstadtgedichte, in denen es um heulende Schweinehunde und morgendliche Glücksgefühle nach einer durchwachten Nacht geht. Die übrigen Stücke des Abends wirken da wattiger, verträumter, bewegen sich zwischen Lounge- und Minimal Music.

Studnitzky gleitet virtuos zwischen rauchigem Bläsersound und der Tastatur des Flügels hin und her, assistiert von vier Streichern, Orlowsky spielt mit geschlossenen Augen zart gewundene Tongirlanden, während der Schlagzeuger groteske Grimassen schneidet, als sei er geradewegs aus einem „Wallace und Gromit“-Film entsprungen. Vielleicht wird’s ja bei den kommenden Treffen stilistisch noch ein wenig kreuzer und querer: Am 5.11. kommt der coole Klassik-Cellist Johannes Moser, am 3.12. der Mandolinenvirtuose Avi Avital. Frederik Hanssen

KLASSIK

Glänzend kühl: Hilary Hahn und

Louis Langrée im Konzerthaus

„The Lark Ascending“ ist alles andere als ein Frühlingsstimmenwalzer. Der Titel gehört vielmehr einer meditativen, leise und geheimnisvoll anhebenden Romanze des Komponisten Vaughan Williams, die einem naturphilosophischen Gedicht von George Meredith folgt: eine Lerche steigt in den Himmel, um in der Atmosphäre zu verschwinden, und „dann singt die Fantasie“. Hilary Hahn kommt diese britische Romantik sehr entgegen, weil ihre Violine Naturstimme und Gedankenlyrik reflektiert: zart, lieblich und glänzend kühl. Die amerikanische Geigerin, die das Stück seit langem verinnerlicht und auf eine preisgekrönte CD gebannt hat, wird für diese Leistung im Konzerthaus mit starkem Beifall gefeiert. In der laufenden Saison konzertiert „die Künstlerin in fast 50 Städten in 14 Ländern“.

Nachdem sie ihre Träumerei von Mozart in Berlin 2011 (A-Dur) und 2012 (D-Dur) vorgeführt hat, setzt sie die Reihe nun mit dem G-Dur-Konzert KV 216 fort: Fein, anmutig, intonationssicher ist der Klang geblieben, den ein Schuss Übermut noch attraktiver machen würde. So kann es passieren, dass eine offensive Oboe im ersten Satz des Mozartkonzerts in thematischer Konkurrenz mit dem Geigenpart dominiert.

Diese fabelhafte Solobläserin gehört der Camerata Salzburg an, deren Chefdirigent seit 2011 Louis Langrée ist. Der Maestro vereint Eleganz mit kreativem Gefühl für die Instrumentalfarben. Wenn die Themen sich türmen im krönenden Finale der Jupiter-Sinfonie, geht er mit der Dramatik großen Kontrapunkts ins Ziel. Sybill Mahlke

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