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KLASSIK

Physikalisch: „Hypermusic Prologue“ in den Sophiensälen

Erstaunlich: Es gibt eine Oper zu den Theorien einer Physikerin. Linda Randalls Modell eines fünfdimensionalen Universums hatte sie 2006 in ihrem Buch „Warped Passages“ dargelegt. Nachdem der Komponist Hèctor Parra die Physikerin um ein Libretto bat, das er 2009 als Hörstück aufführte, hat sich nun ein Team um den Regisseur Benjamin Schad und das Zafraan Ensemble in den Sophiensälen (noch einmal heute 20 Uhr) an eine erste szenische Umsetzung des „Hypermusic Prologue“ genannten Werks gemacht. Doch der Versuch, dabei ästhetisch sinnfällige Modellvorstellungen einer fünften Dimension zu schaffen, scheitert. Zwar gibt es gute Ansätze: etwa das wie ein biegsames Koordinatengitter quer in den Raum gespannte Netz oder einige liveelektronisch manipulierte Raumklangeffekte. Meist jedoch bildet Parra eher Komplexität ab, als sie auf eine sinnfällige Formel zu bringen. Und weil man nebenbei partout die Oper neu erfinden möchte, muss die ganze Theorie auf die Beziehungsebene zwischen Mann und Frau heruntergebrochen werden. Randall hat dazu einen langweiligen Dialog zwischen einem ganz der vierdimensionalen Welt verhafteten Mann und einer von der Vision einer fünften Dimension begeisterten Frau geschrieben, wobei sich letztere in der Inszenierung physisch auf dem Netz turnend in diese Parallelwelt verabschiedet. So beweglich, präsent und farbenreich die Sopranistin Johanna Greulich und der Bassbariton Robert Koller ihre Partien auch darstellen – dass der Aufbruch in neue Dimensionen in Plattitüden stecken bleibt, können sie nicht verhindern. Carsten Niemann

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