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KLASSIK

Sichere Nummer: Gilbert Varga

beim Konzerthausorchester

Ein wenig fremd steht der Russe Michael Glinka im Programm des Konzerthausorchesters – neben den Komponistenkollegen Franz Liszt und César Franck, die sich kannten und schätzen, die beide in Paris bei Anton Reicha Unterricht genommen hatten. Und wenn Glinka gespielt wird, dann muss es natürlich immer die „Ruslan und Ludmilla“-Ouvertüre sein, auch an diesem Abend. Unter Gilbert Vargas Leitung klingt sie ein wenig eindimensional (das DSO spielt im Dezember mal was anderes von Glinka, die „Valse-fantaisie“).

Varga dirigiert solide, bedächtig, majestätisch, fast meint man herauszuhören, dass er bei Celibidache studiert hat. Den Ball flach hält auch Lise de la Salle: in Liszts 1. Klavierkonzert lässt sie zwar den kompromisslosen Willen eines 21- Jährigen, die traditionelle Form aufzubrechen, durchaus hörbar werden. Aber ihr Anschlag hat etwas Überdeutliches, Pedantisches, Ausbuchstabiertes, was besonders in einem Prélude von Debussy, das sie als Zugabe spielt, spürbar wird. Lise de la Salle ist einfach eine sehr gute Handwerkerin, ohne dabei genialisch oder auch nur inspiriert zu sein.

Darin ist Varga ihr wesensverwandt. In der Sinfonie d-Moll von Franck hat das zentrale Thema des Beginns immer Oberwasser, die Struktur bleibt schön klar ausformuliert, die Soli von Englischhorn und Klarinette zu Beginn des zweiten Satzes gelingen mit süßer Grazie, der Hymnus des dritten Satzes, den Franck in allen erdenklichen Schattierungen durchdekliniert, funkelt und schimmert. Es ist alles da, und doch fehlt etwas. Varga scheut die Extreme, wagt nichts und gewinnt letztlich auch nichts. Udo Badelt

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