Kultur : KURZ & KRITISCH

Jens Hinrichsen

KUNST

Edelsteine

und Glaspasten

Auch die kleinen Dinge können uns entzücken – und die mikroskopisch kleinen sowieso. Als Titelmotiv der Ausstellung Mythos und Macht im Alten Museum dient das sehr stark vergrößerte Profil eines lachenden Satyrs, etwa 10 n. Chr. vom römischen Steinschneider Hyllos in Achat geschnitten. Im Daumennagelformat! Wie der Künstler winzige Zähnchen und Miniaturlocken der Jünglingsgestalt ohne Lupe formen konnte – das ist eins der vielen Rätsel, die „Erhabene Bilder in Edelstein“, so der Untertitel der Ausstellung, der Forschung auch heute noch aufgeben (bis 28. 11., Mo-So 10-18, Do 10-22 Uhr).

Präsentiert wird ein Ausschnitt der Gemmensammlung der Berliner Antikensammlung, mit etwa 14 000 geschnittenen Edelsteinen und Glaspasten gehört sie zu den weltweit größten Sammlungen ihrer Art. „Gemme“ ist der Überbegriff für das Edelsteinbild, das seit dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend oft als Siegel diente. „Kameen“, auf die sich Kabinettausstellung konzentriert, waren als reine Schau- und Schmuckstücke gedacht.

Die vorliegende Auswahl schlägt einen großen Bogen von der Antike bis ins neunzehnte Jahrhundert. Weil sowohl Edelsteinmaterial wie Bearbeitungs- und Färbemethoden sich über den langen Zeitraum kaum änderten, lässt sich bei einigen Stücken nur vermuten, dass es sich um Fälschungen vorgeblich antiker Kameen handelt. Faszinierend sind die Arbeitsergebnisse des zeitgenössischen Gemmenschneiders Gerhard Schmidt aus Idar-Oberstein, der jüngst Repliken der drei größten und berühmtesten Kameen der Antike fertiggestellt hat: die „Tazza Farnese“, die „Grand Camée de France“ und die „Gemma Augustea“. Preziosen, die man sich einfach nicht entgehen lassen sollte, bevor sie demnächst in der privaten Kunstkammer des japanischen Auftraggebers verschwinden. Jens Hinrichsen

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