Kultur : KURZ & KRITISCH

Isabel Herzfeld

KLASSIK

Ein Zauberlehrling

als Hexenmeister

Dass Feng Ning 2006 „Premio Paganini“ in Genua gewann, verwundert nicht, wenn man ihn bei der Sommermatinee der Gotthard-Schierse-Stiftung im Musikinstrumentenmuseum „Die Hexen“ aus der Feder des Teufelsgeigers spielen hört. Dabei verblüffen nicht nur die rasanten Sprünge, Tonleitern und Pizzikato- Passagen – noch stärker fasziniert Feng in den lyrischen Passagen, hauchzarten Gebilden voll delikater Verzögerungen, Versprechungen und Verweigerungen.

Virtuosität vermag der junge Geiger, Student bei Antje Weithaas an der Eisler-Hochschule in pure Lebenslust zu verwandeln. Mit phänomenaler Präsenz vor allem im Rhythmischen macht er Beethovens „Kreutzersonate“ zum Wirbelsturm an Spannung und Leidenschaft, fast schon überpointiert. Mit seinem Klavierbegleiter Thomas Hoppe findet er die ideale Klangbalance in Francis Poulencs Sonate von 1938, duftig verschmelzend im süßen Nichts salonhafter Seitenthemen, konfliktscharf in pathetisch-dissonanten Aufschwüngen. Isabel Herzfeld

YOUNG EURO CLASSIC

Im Glanz

südlicher Sonne

Das Joven Orquesta Nacional de España entwickelt sich bei Young Euro Classic allmählich zum Publikumsliebling. 2007 tritt es zum fünften Mal im Konzerthaus auf und zeigt sich in Wagners „Meistersinger“-Vorspiel von seiner besten Seite: Zupackendes, aber nie aufdringliches Engagement verbinden die jungen Spanier mit absolut professioneller Geschlossenheit. Den kleinen, aber bedeutsamen Unterschied zu reinen Profiorchestern kann man da fast wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen suchen. Auf die Streicherbesetzung reduziert, müht sich das Orchester dann wacker, aber vergeblich, der dritten Sinfonie seines Dirigenten, José Serebrier, zu Glanz zu verhelfen, versackt im dritten Satz aber leider im Sumpf gepflegter Langeweile. Erst das Finale gewinnt mit der verdeckt singenden Carole Farley in der Sopranpartie ein ganz eigentümliches, erotisch gefärbtes mystisches Leuchten, dass das Vorgeplänkel schnell vergessen lässt.

Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ präsentieren die Spanier in der selten zu hörenden Stokowski-Fassung. Verglichen mit Ravels Version wirkt sie eckiger, markanter, durch die Kürzung von zwei heiteren Sätzen auch ernster: Man spürt, dass Mussorgski das Stück im Andenken an den verstorbenen Freund und Maler Viktor Hartmann komponiert hat. Für das Orchester ist das natürlich eine Paradenummer, es lauert den zahlreichen virtuosen Partien geradezu auf. Begeisterung im Saal, nicht nur bei den zahlreichen spanischen Gästen.Ulrich Pollmann

0 Kommentare

Neuester Kommentar