Kultur : KURZ & KRITISCH

Isabel Herzfeld

YOUNG EURO CLASSIC

Jugend, Tugend

und Trompeten

Young Euro Classic zählt jetzt offiziell zu den „365 Orten im Land der Ideen“. Horst Köhler höchstpersönlich signierte die Auszeichnung, die das Bemühen um „Toleranz, Offenheit und gegenseitigen Respekt“ in der klassischen Musik bestätigt. Orchesterspiel ist ohne solche Tugenden nicht möglich, und in einem so international zusammengesetzten Klangkörper wie dem World Youth Orchestra müssen sie sich notgedrungen potenzieren. So ist der Auftritt im Konzerthaus unter dem temperamentvollen Chefdirigenten Damiano Giuranna Zeichen klingender Völkerverständigung und kultureller Divergenz zugleich: Türkische Musiker sind in diesem als Reaktion auf den 11. September gegründeten Klangkörper in der klaren Überzahl – nicht weil sie „aus Kreuzberg kommen“, wie Pate Axel Prahl sinniert, sondern weil die diesjährige Arbeitsphase in Ankara stattfand. So ist es die Zugabe – feurige sinfonische Folklore mit Orient-Touch – die das Publikum von den Sitzen reißt. Mit etwas müden „Winterträumen“ kommt Tschaikowskys 1. Sinfonie ebenso wenig dagegen an wie Edward Elgars bräsig-schwermütiges „Einleitung und Allegro“ von 1905. In Michele dall’Ongaros uraufgeführter Konzertfassung des Ballett-Finales „We like Mozart“ (2005) entwickelt sich aus minimalistischer Intervallbewegung eine um vieles leichtfüßigere, pfiffige Virtuosität. Schlanke Eleganz auch im Trompetenkonzert von Johann Nepomuk Hummel: Die junge Britin Alison Balsom, im Maurice-André-Wettbewerb 2000 für den „schönsten Klang“ ausgezeichnet, interpretiert den schwierigen Solopart mit makelloser Präzision. Isabel Herzfeld

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