Kultur : KURZ & KRITISCH

Ulrich Pollmann

YOUNG EURO CLASSIC

Slowenien

oder Slowakei?

Sloweniens Musikkultur, erfahren wir im Programmheft, sei weit mehr an Wien als an Moskau ausgerichtet. Was das Symphonieorchester der Musikakademie Ljubljana keineswegs davon abhält, ein doch ziemlich russophiles Programm zu präsentieren. Das Ganze entwickelt sich wieder zu einem dieser durchweg gelungenen Auftritte im Konzerthaus. Schon der Pate des Abends, Michal Hvorecky, weiß den Saal mit launigen Sentenzen zum Stand der Dinge in Slowenien zu erfreuen – das bis heute darum kämpfen müsse, nicht mit der Slowakei verwechselt zu werden, selbst die Herren Bush und Berlusconi hatten da so ihre Probleme.

Dass das slowenische Studentenorchester keine Vergleiche oder Verwechslungen dieser Art scheuen muss, zeigt sich schon in den Konzertouvertüren von Michail Glinka und Peter Tschaikowsky. Unter der Leitung von George Pehlivanian ist hier nicht nur alles stimmig und klangschön, das Orchester besitzt zweifellos auch einen hohen Wiedererkennungswert, der sich in einem abschattierten, aber sehr fokussierten Klang manifestiert. Vor allem in der Scheherazade von Rimski-Korsakow bleiben einem die langsamen, streicherlastigen und cantablen Passagen im Ohr. Hier schafft Pehlivanian höchst intensive Zustände inneren Wogens und Schwellens. Und auch die Uraufführung gelingt: „Genesis“ heißt das Stück der 26-jährigen Nana Forte, die die in ihrer Heimat sehr beliebten Glockenklänge erfreulich klischeefrei aufgreift. Ulrich Pollmann

KUNST

Alles

oder Nixe?

Aus einem einzigen Zedernstamm hat Roger Löcherbach seinen „Schwimmer“ geschnitzt. Mann und Boot sind zu einer schlanken Skulptur verschmolzen: Wo die Bugspitze ist, bilden die Hände eine Pfeilform – immer geradeaus könnte er gleiten und wie ein Einbaum durch das Element treiben. Nur das Nass fehlt? Eigentlich nicht. Unter dem Motto Alles fließt haben sich siebzehn Künstler aus Essen auf Einladung des Vereins Berliner Künstler dem Thema „Wasser“ genähert und sind nun zu Gast in der Galerie am Landwehrkanal, als erster Teil eines Gesamtprojekts zu den vier Elementen (Schöneberger Ufer 57, bis 9.9., Di.–Fr. 16–20 Uhr, Sa. und So. 14–18 Uhr).

Besonders den Malern gelingt es nicht immer, den Darstellungsklischees vom strömenden, quellenden, rieselnden Wasser und den entsprechend aqua- bis ultramarinen Farbtönen zu entkommen. Dagegen setzt die Fotografin Petra Göbel mit ihren vor Island abgelichteten Eisbergen schon vom Medium her einen Kontrapunkt. Besonders originell aber ist „Das Kleid der Nixe“ von Lore Klar, das aus Stücken von Overheadfolie zusammengefügt ist. Auf diesen „Schuppen“ finden sich Ausschnitte von Meereskarten, trifft der Panama- auf den Nord-Ostsee-Kanal, zeigt sich, dass diese Meerjungfrau ziemlich herumgekommen sein dürfte auf den Weltmeeren. Jens Hinrichsen

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