Kultur : KURZ & KRITISCH

H.P. Daniels

FOLK

Die Alten und

die Jungen

Greenwich Village war immer eine besondere Gegend von New York. In den 60ern war hier ein Zentrum des großen Folk Revivals: Ritchie Havens, Dave Van Ronk, Joan Baez, Geoff Muldaur, Eric Anderson, Bob Dylan und unzählige andere traten für ein paar Dollar in den „Coffee Houses“ auf. Und in den letzten Jahren ist hier eine neue Bewegung entstanden: Greenwich Village – Folk und Anti-Folk heißt auch die Reihe im Haus der Kulturen der Welt (12. – 27.10.), die jeweils zwei repräsentative Singer/Songwriter vorstellt, einen „Alten“ und einen „Jungen“.

Eine gute Idee, die am zweiten Abend des Festivals kläglich scheitert. Denn Ish Marquez und seine Band sind weder Folk noch Anti-Folk, sondern eine normale Rockband. Doch dann wird man entschädigt. Bob Neuwirth, der langjährige Weggefährte Bob Dylans, Maler, Poet, Schauspieler und Filmer singt mit lebensgegerbt kräckeliger Stimme zu einfacher Akustikgitarrenbegleitung (exzellent unterstützt an Mandoline, Gitarre, Dobro und Geige von David Mansfield). Nach zwei kurzweiligen Stunden verabschiedet er sich mit den Worten, bald wieder zu kommen. Oh ja! H.P. Daniels

KUNST

Stil und

Rauch

Billigregale werden zu Ausstellungsvitrinen, DDR-Schrankwände gliedern ein Labyrinth, das von Materialien über Fluxus-Netzwerke in Mittelosteuropa geradezu überquillt. Die Unübersichtlichkeit in der ehemaligen Krankenhauskapelle im Künstlerhaus Bethanien ist Programm. Die Ausstellung Fluxus East (bis 4.11.) operiert bewusst offen und anti-definitorisch. Was in der Natur der Sache liegt: George Maciunias (1931-1978), US- Amerikaner und Organisator der Fluxusszene in den Sechzigerjahren, war gegen den Einzug der Bewegung in den Ostblock: Fluxus sollte apolitisch bleiben.

Andererseits: Der grenzflussübersteigende Austausch zwischen West und Ost war nur eine Frage der Zeit. Der Däne Eric Andersen, der in Kreuzberg absurde Miniaturobjekte zeigt, reiste gemeinsam mit Emmett Williams, Tomas Schmit und Arthur Köpcke Mitte der Sechziger in mehrere sozialistische Länder. Die osteuropäischen Künstler taten weiterhin, was sie in der Nachfolge der Dadaisten immer schon getan hatten: Der Slowake Július Koller veranstaltete Happenings, der Ungar Endre Tót machte sich mit Mail-Art-Aktionen einen Namen – ganz ohne Fluxus. Stilbegriffe sind eben oft nur Schall und Rauch. Jens Hinrichsen

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