Kultur : KURZ & KRITISCH

Volker Lüke

POP

Die Rückkehr

der Amazone

Zu Halloween meldet sich die Mutter aller Punk-Queens zurück: Siouxsie, die vor dreißig Jahren als Siouxsie & The Banshees mit klirrend kalten Gitarren, Stachelfrisur und reichlich Make-up die Gothic-Welle lostrat, bevor es dafür einen Namen gab. Bei ihrem Auftritt im Huxleys sieht sie noch immer aus wie eine Kreuzung aus Madame Butterfly und Liza Minelli: die schwarzen Wuschelhaare hochtoupiert, dunkel umrandete Augen, dazu ein futuristischer Amazonen-Catsuit in Schwarz-Rot-Gold. Da steht sie also, schreitet über die Bühne wie eine Geisterkatze, schüttelt die schwarzen Haare, singt mit klarer, pathosbewegter Altstimme, begleitet von fünf Musikern, die ihr brav den Rücken stärken, mit metallischen Hieben, akribisch eingebügelten Gitarrenflächen, jazzigem Kontrabass und ausladenden Synthieschwaden. Meist weiß man gar nicht, was da passiert, wenn Siouxsie über bombastischen Schüttelrhythmen ihre mystischen Texte vorträgt, während die Band Dramatisches zerstreut und fachmännisch zerlegt, bis der Auftritt nach fünfzig Minuten mit dem von schweinöser Gitarre gepeitschten „Into A Swan“ endet, dem besten Stück ihres leider etwas sülzig geratenen Solo-Debüts „Mantaray“, das sie fast komplett durchspielt. Dazu die alten Klassiker „Arabian Nights“ und „Spellbound“, allerdings nicht „Christine“ und unerklärlicherweise auch nicht „Halloween“. Sie lässt sich nur zu den Zugaben „Israel“ und „Nicotine Stains“ hinreißen und schließlich noch zu „Kish Kash“, das sie vor einigen Jahren mit dem britischen House-Duo Basement Jaxx aufgenommen hat. Dann stiefelt sie von der Bühne und nimmt die ungebrochene Verehrung ihrer Person mit der Selbstverständlichkeit einer 50-jährigen Pop-Diva entgegen, die es nie nötig hatte, einen Gedanken an ihr Publikum zu verschwenden. Ihre Fans sind jung – jung geblieben und jung an Jahren. Ist das nicht gruselig? Ist das nicht schön? Volker Lüke

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