Kultur : KURZ & KRITISCH

Jens Hinrichsen

KUNST

Wo die Hasen

boxen lernen

Fünf Räume im Westflügel des Bode-Museums sind für das Münzkabinett reserviert. Die Sammlung schlägt einen Bogen von der Antike bis in die letzten Jahre Preußens. Und danach? Dass auch die Prägekunst nach dem Zweiten Weltkrieg sich nicht in Fünfzigpfennigstücken und Fußballsondermünzen erschöpft, belegt eine Sonderausstellung über Medaillenkunst im 20. Jahrhundert (bis 31.1., Mo-Mi 10-18, Do bis 22 Uhr, Katalog 49 €).

Im Fokus stehen Medailleure und Bildhauer, die mit den „Kölner Werkschulen“ verbunden sind. Vater der neueren Münzkunst wurde der Bildhauer Ludwig Gies, von den Nazis geschasst, 1950 in der Domstadt zum Professor ernannt. Beeindruckend seine kinderhandgroße Gedenkmünze „Totentanz“, auf der ein Gerippe Soldaten des Ersten Weltkriegs ins Verderben führt. Nach Gies´ Emeritierung wurde sein Lehrstuhl von Karl Burgeff übernommen. Neben dessen Münzarbeiten, etwa einer detailverliebten „Geburt des Dionysos“, sind schöne Vorstudien zu Medaillen zu sehen, aber auch ein Kohle-Konterfei des Düsseldorfer Professorenkollegen Joseph Beuys. Burgeffs Meisterschüler, der 43-jährige Ulrich Görtz, widmete Beuys´ Lieblingstier eine bronzene Plakette – darauf ein Paar boxender Hasen. Jens Hinrichsen

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