Kultur : KURZ & KRITISCH

Michael Zajonz

KUNST

70 Jahre

im Depot

Das schlimmste posthume Schicksal eines Künstlers: zu Lebzeiten prominent gewesen zu sein, und heute total vergessen. Auch Eduard Bendemann, 1811 als Bankierssohn in Berlin geboren und seit seinem siebzehnten Lebensjahr an der Düsseldorfer Akademie zum Maler ausgebildet, gehört mittlerweile zum großen Heer der Unbekannten – zu Unrecht. Seine monumentalen Wandbilder, etwa im Dresdner Residenzschloss, sind im Zweiten Weltkrieg untergegangen. Nur ein kleineres Wandbild erhielt sich im Berliner Schadowhaus. Wie das ganze Gebäude ist es seit Jahren unzugänglich. Bendemanns der Berliner Alten Nationalgalerie anvertrautes Gemälde „Jeremias beim Fall Jerusalems“ wird seit 1937 zusammengerollt im Depot aufbewahrt. Lediglich sein Porträt des Historikers Droysen hängt derzeit dort. Mit einer Kabinettausstellung in der Alten Nationalgalerie versucht nun das Kupferstichkabinett, an Bendemanns verflossenen Ruhm als Hauptvertreter der Düsseldorfer Malerschule anzuknüpfen (bis 24. 2., Katalog im G+H Verlag 19,90 €). Gezeigt werden eigenhändige Skizzen und Vorzeichnungen sowie zeitgenössische Reproduktionsstiche von Bendemanns populärsten Bildern. Künstlerisch mag das zwischen Nazarener-Nachfolge und Realismus-Vorausahnung schwankende Werk vielleicht nur mäßig interessieren, ein soziologisch bemerkenswerter Fall ist Bendemann jedoch allemal. Seine Eltern konvertierten wenige Monate vor seiner Geburt vom mosaischen Bekenntnis zum protestantischen. Künstlerisch hat sich der scheinbar assimilierte Jude zeitlebens mit alttestamentarischen Themen auseinandergesetzt. Während der Nazizeit wurden seine Werke verfemt. Auch das verband ihn mit seinem engen Freund Felix Mendelssohn Bartholdy. Ihn hat er in einer seiner schönsten Zeichnungen verewigt. Michael Zajonz

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben