Kultur : KURZ & KRITISCH

H. P. Daniels

ROCK

Zurück im Leben mit diesem

ganz speziellen Kratzen

Im ausverkauften Tempodrom hängt der Bühnenhimmel voller Gitarren. Höfner-Gitarren, Höfner-Bässe, denn die Band darunter nennt sich The Hofner Bluenotes feat. Chris Rea. Doch erst mal bestreiten sie das Vorprogramm: Als The Delmonts präsentieren sie hübschen instrumentalen Gitarren-Twang-Surf, wobei Rea selbst hintergründige Rhythmusgitarre spielt und seinem Kollegen Robert Ahwai die elegante Melodieführung überlässt. Nach sieben Songs fliegender Wechsel von den Delmonts zu den Hofner Bluenotes. Rea hat das T-Shirt gewechselt, jetzt ärmellos, als wolle er mit seinen muskulösen Oberarmen zeigen, wie er dem Bauchspeicheldrüsenkrebs ein Schnippchen geschlagen hat. Tatsächlich wirkt er kräftiger als vor zwei Jahren, als er sich wegen seiner Krankheit mit einer letzten Tournee verabschiedet hatte.

Nun ist er überraschend zurück. Und er spielt den Blues mit schwirrendem Bottleneck auf der Stratocaster und singt mit diesem speziellen Kratzen. Swingender Boogie mit der exotischen italienischen Maranello-Gitarre. Überhaupt hat er ein ganzes Arsenal an Gitarren dabei. Und ein Banjo zur Begleitung seines alten Hits „Josephine“, der ihm zu Unrecht den Ruf des „Schmuserockers“ eingebracht hat und die entsprechenden Fans dazu. Nach einem Dutzend Songs wird er immer besser, intensiver. Höhepunkt ist eine traumhafte Version von „Stainsby Girls“, die still beginnt, dann leidenschaftlich abrockt und schließlich in ein wildes Brown-Sugar-Geriffe übergeht. Ach, man wünscht Chris Rea und uns noch viele Tourneen. H. P. Daniels

0 Kommentare

Neuester Kommentar