Kultur : KURZ & KRITISCH

Volker Lüke

POP

Mitten im

Brummkreisel

Man kommt zum Konzert hinein und es empfängt einen eine kosmische Klangwolke: quietschende, endlosschleifenartige Geräuschgebilde, die schließlich von einer Winzigkeit Langeweile aufgelöst werden. Dann aber wieder überquellend barock, laut, psychedelisch und lustig. So sind Black Dice, drei Tüftelnasen aus Brooklyn, die aus dem Noise-Rock-Umfeld von Sonic Youth stammen. Mit Gitarre, Elektro-Schlagzeug und allerlei Effektgeräten lässt das Trio im Festsaal Kreuzberg den Boden bibbern. Dahinter das große Nichts. Und doch ist es ein Vergnügen zu erleben, wie immer neue Effekte herausgekitzelt werden, ein Feuerwerk an Schnipseln von Musik und Atmosphäre aus hypnotischen Buschtrommeln und ohrenzerfetzenden Zisch-, Fiep- und Zerrlauten. Hier findet sich Acid-House, Kraftwerk, Throbbing Gristle, Pink Floyd und Velvet Underground, alles verdünnt und verfeinert. Zitate, die als chemische Formeln in das musikalische Konzept eingebaut und zu einem Elektrobrummsausen verdichtet werden, das von einer monotonen Klopfmotorik geschüttelt wird, die an Neu! oder Faust erinnert. Es ist nicht neu, mit den Krautrock-Vätern hausieren zu gehen, aber Black Dice tun es mit einer Selbstverständlichkeit, als wären sie die Einzigen. Diese Überzeugung macht den Unterschied. Julian Cope würde vor Begeisterung tot umfallen. Volker Lüke

KUNST

Schatten

im Kies

Eine Bodenskulptur: Auf weißer Unterlage bilden zwölf Steine einen Kreis. Knapp über seiner Mitte leuchtet eine Glühbirne, so dass längliche Kieselschatten in alle Himmelsrichtungen laufen. Die Arbeit „Relatum" wirkt wie eine Uhr ohne Zeiger, wie eine Sonnenuhr ohne Sonnenlauf. In der Tat bleibt die Zeit stehen, wenn man die Objekte, Malereien und Zeichnungen von Lee Ufan betrachtet. Das Museum für Asiatische Kunst zeigt eine Auswahl seiner Arbeiten aus den vergangenen 30 Jahren (Dahlem, Lansstraße 8, bis 25.5., Di-Fr 10-18, Sa u. So 11-18 Uhr).

Variationen über die Bleistiftlinie, tausendundeine Tropfenform auf Leporellopapier, ein winziger Tintenfleck auf weißer Leinwand: Man kann das „ Minimalismus" nennen. Der 1936 in Korea geborene Lee Ufan siedelte 1956 nach Japan über, studierte Philosophie und Malerei, wurde in den Siebzigern zur Schlüsselfigur der Bewegung mono-ha, der „Schule der Dinge". Gesucht wurde ein Sonderweg abseits vom westlich geprägten Modernismus. Insbesondere klassisch-japanische Gestaltungsprinzipien rückten wieder stärker ins Bewusstsein. So erneuern Lee Ufans Tuschezeichnungen die typisch asiatische Verschmelzung von Schrift und Bild. Auf japanische Gärten und die Idee des Übergangs zwischen Gemachtem und Natur verweisen vor allem seine Skulpturen. Idealerweise müsste seine karg-schöne Arbeit aus rostiger Stahlplatte und zwei Findlingen (O.T., 1978) allerdings im Freien aufgestellt werden. Jens Hinrichsen

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