Kultur : KURZ & KRITISCH

H. P. Daniels

ROCK

Die ganz

persönliche Wut

„That was a new song“, sagt John Bramwell im Postbahnhof. Es klingt fast wie eine Entschuldigung. Der Sänger von I Am Kloot tauscht die elektrische gegen die akustische Gitarre, singt „From Your Favourite Sky“. Ein Lied aus dem Jahr 2003. Etliche Songs von den ersten drei Platten sind inzwischen zeitlose Pop-Klassiker. Aber auch die Stücke vom neuen Album „I Am Kloot Play Moolah Rouge“ klingen nach Zukunft und Vergangenheit, stehen mittendrin im gegenwärtigen Leben. „Hey Little Bird“ ist ein Wink zum Donovan der Mittsechziger und zum „Working Class Hero“. Überhaupt hat Bramwells Stimme viel von Lennons Phrasing und Ausdruck. Aber dann auch sein ganz eigenes unverwechselbares Krächzen und Krähen, seine ganz persönliche Wut und Verzweiflung, Wärme und Hoffnung.

Er singt über die kleinen Katastrophen des Lebens, gurgelt mit Wörtern und Sätzen einer eindringlichen Alltagspoesie, würgt an herzzerreißenden Liebesbekenntnissen: „There’s blood on your legs, I love you!“ Beatles-Reminiszenzen, Velvet-Underground-Gitarren. Pete Jobson spielt den Bass im Sitzen, paffend, rauchend, dampfend. Andy Hargreaves trommelt kräftig oder mit filzgeklöppelt zischelnden Becken. Vorwärtsmarschierender Dengel-Beat mit Bramwells verzweifelt herausgeschriener Erkenntnis: „Even the stars die!“ Dann hat er bestärkende Worte, wenn er ganz alleine seine Gitarre zupft: „Do not stumble through the night, have no fear of falling!“ Sehr rührend. Seit ihrem Debüt vor sieben Jahren sind I Am Kloot eine der talentiertesten englischen Bands. H. P. Daniels

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