Kultur : KURZ & KRITISCH

Nicola Kuhn

KUNST

Ein Bild

kehrt zurück

Zahlreiche Bilder hat der Verein der Freunde der Nationalgalerie seit seiner Gründung durch Peter Raue für das Museum erworben. Eine seiner letzten Taten, bevor der Steuermann das Ruder nun seiner Nachfolgerin Christina Weiss überließ, war der Ankauf eines Gemäldes von Oskar Kokoschka, das den ansehnlichen Bestand des Wiener Expressionisten nochmals vergrößert. Bei dem überlebensgroßen Porträt von Leo Kestenberg aber spielt Berliner Geschichte hinein. Eine kleine Sonderausstellung im Kies van der Rohe-Bau aus Anlass der Erwerbung erinnert an die Begegnung der beiden Männer (bis 4. Mai).

Der Maler lernte den Musikpädagogen, Musikpolitiker und Pianisten über den Galeristen Paul Cassirer kennen, in dessen Verlag Kestenberg als damaliger Leiter zwei Kokoschka-Dramen publizierte. 1926 bat der Künstler den mittlerweile ins Kultusministerium berufenen Reformer („Erziehung zur Menschlichkeit mit und durch Musik“), ihm für ein Porträt Modell zu sitzen. Anschließend schenkte er Kestenberg das energiestrotzende Bildnis, der es bei seiner Emigration 1933 via Prag mit nach Israel nahm. Dort starb er 1962 knapp 80-jährig. Nun kehrt sein Porträt in die Stadt zurück, die als Erinnerung an sein Engagement zumindest schon einmal eine Musikschule seines Namens besitzt. Nicola Kuhn

KUNST

Ein Lichtfeld

strahlt auf

Ein Bild wie Jazzmusik: Auf quadratischem Format verschränkte Günter Fruhtrunk (1923-1982) rote, grüne und schwarze Vertikalflächen miteinander. 1966 gemalt, gehört „Neuer Dreiklang“ zu den Spitzenwerken der Kunstsammlung des Daimler-Konzerns. Fruhtrunk und Rupprecht Geiger stammen aus München, Willi Baumeister war Stuttgarter. Die inzwischen 1800 Werke starke Kollektion hat den Akzent stets auf Künstler aus dem Süddeutschen gelegt. Wurde im Haus Huth 2006 der Vorkriegsmoderne gehuldigt, stehen nun Positionen nach 1945 im Mittelpunkt von Classical : Modern II (Alte Potsdamer Straße 5, bis 1. 6.).

Nicht nur das Who is Who deutscher Nachkriegskunst – 80 Künstler von Horst Antes bis Herbert Zangs mit insgesamt 35 Werken – ist beeindruckend. Außerdem werden die Kontexte reinszeniert, in denen die bahnbrechenden Arbeiten einst präsentiert wurden. So ersteht auch die Ausstellung des Sammlers Ottomar Domnicks 1952 in der Stuttgarter Staatsgalerie mit Werken von Baumeister, Fritz Winter und Max Ackermann wieder neu – niedrig gehängte Bilder mit Stühlen zur Kunstbetrachtung davor. Highlight der Daimler-Contemporary-Ausstellung ist ein silberglänzendes Kabinett, das an eine Galeriepräsentation der Gruppe Zero 1960 in Berlin erinnert. Darin sind „Lichtfeld“-Bilder des Kinetikers Heinz Mack zu sehen und die organisch-naturhaften Farbexperimente von Christa Winter. Jens Hinrichsen

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