Kultur : KURZ & KRITISCH

Jens Hinrichsen

KUNST

Unser Name

sei Hase

Wahrscheinlich ist der Hase das Lieblingstier der deutschen Kunst. Albrecht Dürer widmete ihm ein Aquarell, Joseph Beuys erklärte dem toten Hasen die Bilder. Das Duo Schröter + Schröter zeigt in der Guardini-Galerie nun ein lebendiges, allerdings eher steif in (Kultur-)Landschaften herumstehendes Hasenpaar. Die Eheleute Annette und Erasmus Schröter – beide Jahrgang 1956 – sind für die schwarzweißen Großfotos selbst ins Hasenkostüm geschlüpft. Allzu viel mit Natur haben weder die plüschigen Protagonisten noch das Umfeld zu tun: Häschen in der Baugrube (Askanischer Platz 4, bis 11.7., Di.-Fr. 14-19 Uhr). Die Ausstellung „Licht und Schatten“ bietet die rare Gelegenheit, Arbeiten der beiden Leipziger einmal vereint zu sehen. Denn Annette Schröter, eigentlich Malerin, hat sich in den vergangenen Jahren dem Papierschnitt verschrieben (bis 24.4. auch in der Galerie Wichtendahl, Joachimstraße 7). Auf dem allein handwerklich atemberaubenden Scherenschnitt „Frauen in Waffen“ (2004) drohen die weiblichen Figuren in dominanter Ornamentik unterzugehen, während Kalaschnikows wie Ausrufezeichen im Vordergrund schweben. Unter Schröters Fotoarbeiten sticht eine Serie von Frauenportraits heraus („Komparsen Frau“, 2000-2008). Zwischen den giftigen Farben der Architekturen, Requisiten und Kostüme wirken die Frauen puppenhaft. Kunst kommt hier von Künstlichkeit. Jens Hinrichsen

KUNST

Jazz liegt

in der Luft

Je schneller sich das Kunst-Karussell in Mitte dreht, desto stärker wirken seine Fliehkräfte. Die Produzentengalerie Kunstfaktor hat es nach zehn Jahren in der Joachimstraße jetzt in den Stephankiez im Norden Moabits getrieben. Die zweite Ausstellung heißt 222, so alt sind die vier präsentierten Künstler in der Summe (Rathenower Str. 45, bis 8. Juni, Mi.-So. 16-20 Uhr). Der Titel verweist auf die Wechselwirkungen zwischen drei Generationen. Wolfgang Ludwig, wichtigster deutscher Vertreter der Op-Art in den Sechzigern, ist auf seine alten Tage plötzlich zum Kunsthandwerker geworden. Die Halbplastiken seiner Serie „sax and sound“, geboren aus der Liebe zum Jazz, sind hinreißende Guckkästchen mit aus Holz, Zeitungsschnipseln und Verpackungsresten gebastelten Musikerfiguren. Berserkerhaft daneben die Bilder von Ludwigs einstigem Schüler Matthias Müller. Teils schon plastisch ist das Öl auf die Leinwand aufgetragen. Manchmal scheinen Körper durch, die gegen Widerstände kämpfen. Seine Partnerin Christiane Meyer zeigt neben dezenten Malereien auf Karton ihre „Zwangsjacke“, deren zarter weißer Fleece in Kontrast zu den schwer herunterhängenden Ärmeln steht. Zum ersten Mal sind die Bilder von Björn Warwas zu sehen. Der junge Kommunikationsdesigner wurde von Müller und Meyer ermutigt, sich der freien Malerei zu widmen. In seinen bewegungsreichen Panoramen verbindet sich die Disziplin des Auftragsarbeiters mit der Entdeckerlust des Neulings. Kolja Reichert

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