Kultur : KURZ & KRITISCH

Udo Badelt

OPER

Hasch mich,  ich bin der Mörder

Dieses Stück war selber eine Leiche: Fast 20 Jahre ist die Leichenoper nicht gespielt worden. Der Komponist Christoph Schambach schrieb sie 1989 an der Hochschule für Schauspiel „Ernst Busch“, sie wurde dann einige Monate am Deutschen Theater gezeigt und verschwand schließlich im Keller. Jetzt, nachdem er Erfolg mit seinem „Senfsalon“ in Kreuzberg gehabt hat, gräbt sie Schambach eigenhändig wieder aus und bringt sie mit einem Laienchor auf die Freilichtbühne in der Zitadelle Spandau (Regie: Alexandra Wilke). Die Handlung der Songoper ist gestrickt um die Leiche des Bürgermeisters, die eines Morgens im Wohnzimmer des Beamtenehepaars Rohmayer sitzt, und um den Ehrgeiz von Lina Rohmayer (Julia Wegehaupt), ihren Mann (Holger Wiegandt ) zum neuen Bürgermeister zu machen. Das erinnert an Lady Macbeth. mehr noch aber an „Hasch mich, ich bin der Mörder“, eine Krimikomödie des Humorcholerikers Luis de Funès. Leider krankt die Aufführung daran, dass viele der Darsteller keine professionellen Sänger sind. Sie treffen die Töne nicht, Einsätze werden verpasst, manche begnügen sich gleich mit Sprechgesang. Julia Wegehaupt zeigt auch hier noch den meisten Ehrgeiz, aber auch sie vollzieht die Lagenwechsel eher unelegant. Das fällt besonders wegen der formidablen Leistung des Orchesters auf, der eigens zusammengestellten Senffoniker, bei denen auch einige Philharmoniker mitspielen. Schambachs Partitur ist vielseitig, sie zitiert mal Weill/Brecht, mal die große Big Band. Die Leiche lebt, jetzt muss sie nur noch singen lernen (heute sowie am 14. und 15.., 19.-22.6., 20. 30 Uhr). Udo Badelt

 

DESIGN

Blumen aus Holz, Nixen aus Bernstein

Wachsen Kannen und Kerzenleuchter an Bäumen? Könnte man denken. Doch der von Pflanzenornamenten geprägte Jugendstil aus Nürnberg ist natürlich von Menschen geschaffen. Dass diverse Betriebe die Stadt Nürnberg um 1900 zu einer Hochburg dieses Kunsthandwerks machten, belegen 200 Werke im Bröhan-Museum aufs Eindrucksvollste (Schlossstraße 1, bis 3.8., Di-So 10-18 Uhr, Katalog 35 Euro). Vergoldetes Zinn und grün gefärbtes Glas lassen ein Bowlengefäß als Schmuckstück der Ausstellung glänzen. Es stammt aus der Metallwarenfabrik von Georg Friedrich Schmitt, die neben dem Betrieb von Walter Scherf & Co zu den wichtigsten Verbreitern des Jugendstils in Franken gehörte. Vorreiter war jedoch die Keramikfirma Johann von Schwarz, die den Münchener Bildhauer Carl Sigmund Luber zum künstlerischen Leiter ernannte. Zu seinen Spezialitäten gehören ungewöhnlich geformte Vasen mit flächig ausgemalten, ineinander verschlungenen Blumenmustern. Die Firma Scherf & Co war wiederum Friedrich Adler (1942 in Auschwitz ermordet) besonders verbunden. Extravagante Spiegel, Fruchtschalen und Jardinieren bestätigen den Rang des Künstlers. Zu seinen Schülern gehörte der Berliner Emil Kellermann, der sich 1994 in Nürnberg niederließ. Während eines Meisterkurses unter Adler entstand 1910 Kellermanns „Rheingoldkassette“ aus Holz, Perlmutt und Bernstein, gekrönt von einer Szene der badenden Rheintöchter, kunstvoll in Elfenbein geschnitzt: Bayreuth ist ja auch nur einen Katzensprung von Nürnberg entfernt. Jens Hinrichsen

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben