Kultur : KURZ & KRITISCH

Matthias Nöther

KLASSIK

Draußen

lauschen

Gewiss, auf dem Gendarmenmarkt, in der Waldbühne und auch auf der Rennbahn Hoppegarten können die Veranstalter den Zuschauern, wenn überhaupt, auf nur wenigen Plätzen einen gleichmäßig verstärkten Orchestersound präsentieren – oft werden Neben- zu Hauptstimmen, aus den Boxen wummern Blech und Kontrabässe. Beim „Französischen Abend“ des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin im Hoppegarten aber muss man sich einmal nicht mit Ambiente, gutem Wetter und Weißweinschorle zufriedengeben, sondern kann auch im Musikalischen höchste Maßstäbe ansetzen. Gerard Schwarz hat den „analogen“ Gesamtklang des Orchesters mit beeindruckender Pointiertheit auf die akustischen Verhältnisse der Musikmuschel und der weitläufigen Zuschauertribüne abgestimmt, fordert vom Orchester scharfkantige, fast wie im Holzschnitt gegeneinander abgesetzte Klänge ein. Besonders spannend, auch ungewohnt, ist das in Paul Dukas’ „Zauberlehrling“: Schwarz ersetzt den notwendigen Verzicht auf dynamische Bandbreite durch dramaturgisches Gespür für das Gegeneinander der Instrumentengruppen. Und das RSB lässt es an tänzerischem Schwung nicht fehlen – schließlich ist mit Chabriers „España“, Bizets „Carmen-Suite“ Nr. 1 und Ravels „Bolero“ der französische Abend thematisch vor allem auch ein spanischer. Matthias Nöther

ARCHITEKTUR

Gebaute

Zeichen

Was für eine Farbmischung! Nicht nur mit seiner Kombination aus Rosa und Blau fällt der 1976 fertiggestellte Umlaufkanal des Instituts für Wasser- und Schifffahrtstechnik der TU Berlin am Rande des Tiergartens aus dem Rahmen. Zusammen mit dem Turm für die DLRG-Zentrale am Pichelssee gehört der heute denkmalgeschützte Solitär zu den Berliner Hauptwerken des 1924 geborenen Architekten Ludwig Leo. Jetzt wurde Leos Archiv der Öffentlichkeit vorgestellt, das er der Akademie der Künste als Vorlass übergeben hat. Es umfasst 40 Projekte mit rund 4000 Plänen und 3000 Fotos. Für Eva-Maria Barkhofen, die das Architekturarchiv der Akademie leitet, ist es charakteristisch für Leos Arbeitsweise, dass die Projekte nur von knappen schriftlichen Erläuterung begleitet werden: „Dafür gibt es umso mehr Detailzeichnungen.“ Nicht weniger spektakulär als der Umlaufkanal ist die 1971 eröffnete dreiecksförmige DLRG-Zentrale, die Barkhofen an die Entwürfe der frühen Funktionalisten der zwanziger Jahre erinnert. In Berlin war Leo darüber hinaus am Bau des Märkischen Viertels beteiligt, errichtete eine Kita sowie die Sömmering-Sporthalle. Doch gab es auch Projekte, mit denen er scheiterte: Gemeinsam mit dem Pädagogen Hartmut von Hentig plante er zwei Jahre lang für die „Laborschule“ in Bielefeld. Doch da er sich nicht von der Bauverwaltung einengen lassen wollte, verweigerte man ihm letztlich den Bauauftrag. Jürgen Tietz

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