Kultur : KURZ & KRITISCH

H. P. Daniels



POP

Sag es,

wie es ist

Acht Mann drängen sich auf der kleinen Bühne: The Neville Brothers aus New Orleans. Schlagzeug, Bass, Keyboards, Gitarre. Und an den Mikros in der ersten Reihe die eigentlichen Brüder Neville. „Fire On The Bayou“ singen sie. Sicher hätte der Song besser auf den Havel-„Bayou“ der Spandauer Zitadelle gepasst, doch ist das Konzert wegen mäßigen Vorverkaufs kurzfristig in den kleinen Columbiaclub verlegt worden. Es groovt und funkt, und schon ist der Funke übergesprungen zum ausgelassen tanzenden Publikum. Aber so richtig funkeln will es nicht. Art Nevilles Hammond hört sich fett an, sein Gesang bleibt eher dünn. Der jüngere Bruder Aaron war beim letzten Berlinbesuch noch dicker, er muss hart trainiert haben. Ist der trotz seiner 67 Jahre jugendlich wirkende Mann mit der umgedrehten roten Baseballmütze tatsächlich jener Aaron, der schon 1966 einen Hit hatte mit der ergreifenden Soul-Schnulze „Tell It Like It Is“? Der Gesang allerdings ist nicht mehr ganz, was er einmal war, wenn auch die melancholischen Soul-Balladen mit Aarons hallender Stimme zu den Höhepunkten des Abends zählen. Charles Neville, im bunten Batikhemd, Baskenmütze und über Mundwinkel und Kinn herabhängenden Chinesenbart, spielt munter jazzelige Passagen auf dem Saxofon, wobei immer noch Duke Ellingtons „Caravan“ zu den Paradestücken zählt. Cyril, mit knapp 60 der jüngste Neville, mit weißem Hut und langen Ohrringen, drischt auf diverses Perkussionsgerät. Die Neville Brothers wirken wie Tanzmucker, die ihr Zeug routiniert runterspielen – zum Vergnügen von Publikum und Tänzern. H. P. Daniels

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