Kultur : KURZ & KRITISCH

Martin Schwickert

FILM

Lügen

und Geheimnisse

Drei Monitore. Drei Zeugen. Drei Versionen der Wahrheit. FBI-Agent Sam Hallaway (Bill Pullman) sitzt im Kontrollraum einer Provinz-Polizeiwache und macht sich seinen Reim auf die widersprüchlichen Zeugenaussagen. Mit einer Kollegin (Julia Ormond) ist er angereist, um brutale Morde aufzuklären, die sich an einem verlassenen Highway ereignet haben. Die Zeugen werden getrennt verhört: ein Polizist (Kent Harper), der bei der Schießerei mit den Mördern seinen Partner verloren hat, die drogensüchtige Bobbi (Pell James), die völlig zugekokst in das Massaker geriet, und die achtjährige Stephanie (Ryan Simpkins), deren Familie ums Leben gekommen ist. Während sich das Kind an seine Wahrnehmung der Ereignisse hält, lügen sich die Erwachsenen ihre Wahrheit zurecht.

Wie ihr Vater David arbeitet auch Jennifer Chambers Lynch in Unter Kontrolle (in sechs Kinos; OV im Cinestar SonyCenter) tapfer an einem Konzept der Verunsicherung. In schillernden Farben malt sie die Verrohung des ländlichen Polizeiapparates aus, in dem gelangweilte Sheriffs auf die Reifen der Temposünder ballern, um sie danach mit abgefeimten Rollenspielen zu erniedrigen. Leider überrascht die Aufklärungsarbeit mit einer Wendung, die das Konzept des langsamen Erhitzens der Geschichte zerstört. Der finale Twist ist bloße Pose und führt die klug aufgebaute Story auf fades Splatter-Territorium. Martin Schwickert

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