Kultur : KURZ & KRITISCH

Moritz Gathmann

ROCK

Soundtrack

zur Revolte

Irgendwann kommt es dann, unvermeidlich: „El pueblo unido, jamás será vencido!“ Das vereinte Volk wird niemals besiegt – der populäre Kampfruf gegen die Pinochet-Diktatur in Chile. Hunderte Multikultis im Glashaus der Arena skandieren mit, und fast wird einem bange, die versammelten Kriegsdienstverweigerer könnten nun, für die Revolution, doch noch den Dienst an der Waffe antreten. Die Mexikaner von Pantéon Rococó hätten jedenfalls die passende Begleitmusik zum Aufstand. Der Sound der elf Musiker knallt wie eine Flasche 40-prozentiger Kaktusschnaps mit Raupe. Drei Mann am Schlagzeug sorgen für den Grundbeat zwischen Ska und Latino; Posaune, Saxofon und Trompete peitschen mit ihren Einsätzen Sänger Luis Dr. Shenka vor sich her, der mit einer Mischung aus Rap und Gesang seine „Musik mit Gewissen und Bewusstsein“ an den Mann bringt.

Das Glashaus tobt, aber immer wieder weist Shenka auf seine politische Mission hin: Wir unterstützen den Kampf der mexikanischen Zapatisten – einer Bewegung von Aufständischen, die in der Tradition des Bauernführers Zapata für die Rechte der indigenen Bevölkerung kämpft. Vor den Bongos hängt denn auch eine Zapatisten-Fahne, am Klavier die vom FC St. Pauli. Man erweist sich die Ehre, von Rebell zu Rebell. Die Mexikaner lassen sich und den Zuhörern keine Pause, erst nach drei Stunden Dauergewitter treten sie ab. Und sehen so aus, als könnten sie noch ein paar Stunden weitermachen. Nicht so die Zuhörer. Fast ein bisschen zu viel mexikanische Vitalität für einen Mitteleuropäer. Moritz Gathmann

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