Kultur : KURZ & KRITISCH

Ulrich Amling

YOUNG EURO CLASSIC

Sehrendes

Seelendrama

Auch gute Nachrichten muss man verkraften. Viele der jungen Orchester, die gerade beim Festival Young Euro Classic gastieren, berichten von einem regelrechten Ansturm hoch motivierter und bestens ausgebildeter Musiker. Da fällt die Auswahl schwer, und die Kaderstärke steigt. Kein Wunder daher, dass im Konzerthaus dieser Tage viel großformatig Spätromantisches erklingt. Das Moritzburg Festival Orchestra, das in dieser Saison sein Debüt bei Young Euro Classic gibt, macht da eine Ausnahme. Gegründet von Cellist Jan Vogler, bereichert es das Kammermusiktreffen nahe Dresden seit 2006. 40 Musiker reisten nach Berlin – und gaben vor allem in der ersten Hälfte des Abends eine mitreißende Vorstellung. Das lag auch an der überzeugenden Programmwahl. Schostakowitschs Kammersymphonie c-Moll op. 110a ist ein sehrendes Seelendrama mit packenden Rhythmen und herben Stimmungswechseln. Warm und dunkel breitet sich der von Dirigent James Gaffigan bestens präparierte Streichersound aus, mit viel Gefühl für den gemeinsamen Klangkörper. Gustavo Beytelmann, ein Weggefährte von Astor Piazzolla, stachelt die jungen Musiker mit einer Tangovariation weiter an. Doch Brahms kann ein echter Showstopper sein. Sein Doppelkonzert für Violine und Cello (mit Robert Chen und Jan Vogler) muss von Innen glimmen – und das ist verteufelt schwer. Zu schwer an diesem Abend, an dem sich die Starsolisten wenig zu sagen hatten. Ulrich Amling

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben