Kultur : KURZ & KRITISCH

Daniel Wixforth

KLANGKUNST

Schallwellen

im Magen

Zuerst spürt die Haut angenehme Kühle. Augen und Ohren brauchen etwas länger, um sich im kleinen Wasserspeicher einzugewöhnen. Es ist dunkel, und von irgendwoher tönen fremdartige Klänge, von denen schwer zu sagen ist, ob man sie nun hört oder lediglich ihre Schallwellen im Magen spürt. Diese unklare Wahrnehmung entspricht durchaus dem Konzept der Klangkünstler Michael Moser und Sam Auinger, die derzeit mit Studenten der UdK die Klanginstallationen Resonant Cuts und Klangspeicher präsentieren (bis 14. September, Wasserturm im Prenzlauer Berg, Eingang Belforter Straße, www.singuhr.de). Erstere beruht auf großen, in Schwingung versetzten Glasplatten, die als Lautsprecher dienen und so den verschiedenen Punkten des Bauwerks spezifische Klänge entlocken. Hat man diese gleichsam diffuse wie beeindruckende Klangwelt verarbeitet, wartet die zweite Ausstellung im großen Wasserspeicher. Der Weg dorthin führt über die Spielplätze des Kollwitz-Kiezes. Man fragt sich einen Moment, ob die akustische Kulisse dieser hippen Jungfamilienidylle als Kontrast vielleicht zur Ausstellung gehört?

Zurück in der Dunkelheit: Die Macher der Installation Klangspeicher betrachten das Gebäude als Instrument, das mit eigens komponierten Stücken bespielt wird und durch seinen Nachhall Raum und Zeit musikalisch verwischt. Auch hier sind Geduld und Konzentration gefordert. Wer beides mitbringt und zudem begeisterungsfähig für akustische Phänomene ist, der erlebt ungekannte Klangsphären mitten im Gewirr des Hauptstadtsounds. Daniel Wixforth

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