Kultur : KURZ & KRITISCH

H.P. Daniels

POP

Fledermaus

und Ukulele

Sie sehen aus wie zwei fröhliche Hippies in bunten Klamotten. Musiker? Filmemacher? Schauspieler? Man fragt sich, was Bright Blue Gorilla eigentlich sind. Film und Konzert liegen beim amerikanischen Künstlerehepaar Robyn Rosenkrantz und Michael Glover nicht weit voneinander entfernt, schließlich geht es ums Geschichtenerzählen, in bewegenden Songs und bewegten Bildern. Während etliche Besucher im Freiluftkino Kreuzberg noch mit dem Aufbau ihrer Liegestühle kämpfen, umschwirrt von hektischen Fledermäusen, singen Robyn und Michael auf kleiner Bühne vor riesiger Leinwand ihre charmanten Songgeschichten mit schönem Harmoniegesang, tauschen Gitarre, Ukulele, Bass, Harmonika, Tin Whistle, Trommel-, Klopf- und Schüttelwerk, und erzählen zwischendurch ein bisschen von den Anfängen. Wie sie 1990 ihre Broterwerbsjobs in Los Angeles hingeschmissen und all ihre Sachen verkauft haben, bis auf die Gitarren, und mit einem „One-Way-Ticket“ nach Amsterdam geflogen sind. Seitdem sind sie in Europa unterwegs, moderne Troubadoure, reisende Schausteller mit vielseitigen Talenten, zehn CDs im Fundus und zwei Filmen.

Dann zeigen BBG ihr jüngstes Lichtspiel. „The Mind Of Henry Lime“ erzählt die wahnwitzige Geschichte vom rührenden Vertreter Henry, der durch die Nebenwirkungen eines Schlafmittels in eine Parallelwelt gerät, die sich in unendlicher Komik immer wieder mit der Realität trifft. Immer mehr Menschen halluziniert Henry, die von den „realen“ Menschen nicht gesehen werden, doch untereinander trefflich kommunizieren und überlegen und subversiv gegen die Bösen unter den „Realen“ agieren. So heiter im Geiste von Lubitsch und Wilder, dass man die Kühle des Abends fast vergisst. Der Abbau der Liegestühle geht dann wie von selbst. H.P. Daniels

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