Kultur : KURZ & KRITISCH

Matthias Nöther

KLASSIK

Schon wieder,

sprach Zarathustra

Akkurat ist wohl das treffendste Wort, um das Spiel des russischen Pianisten Nikolai Luganski in Schumanns Klavierkonzert zu beschreiben. Kontrollierter Körper, analytischer Anschlag, kühler Zugriff auf das Werk. Gut, dass unter den jüngeren Pianisten nicht ausnahmslos diejenigen verpflichtet werden, die ihre Innerlichkeit vor der Fernsehkamera mit den schönsten Verrenkungen zum Ausdruck bringen. Dennoch wünschte man sich an diesem Abend im Konzerthaus für Schumann weniger Akkuratesse und mehr Ungeduld, mehr Feuer. Denn so ergibt das Programm des Radio-Symphonieorchesters mit Richard Strauss’ feurigem symphonischem Erstling „Don Juan“, dem sattsam bekannten Schumann-Konzert in der Mitte und dem knorrig-skurrilen Koloss „Also sprach Zarathustra“ am Ende keinen explizit musikalischen Sinn – außer jenem, dass man es schon immer so gemacht hat. Weshalb genügt das einem Marek Janowski, der (laut Programmheft) wegen seiner „ungewöhnlichen Programmideen“ geschätzt wird?

Das Wesentliche sei die Musik, so Janowskis Wahlspruch. Gewiss, die StraussStücke sind in ihrer musikalischen Rhetorik widerborstig und damit aussagekräftig genug, auch weiß das Orchester unter Janowski um all die kleinen garstigen Tritte, die der junge, energiegeladene Strauss der symphonischen Tradition verpasst. Doch dem heutigen Publikum wollen solche werkimmanenten Gedanken programmatisch vermittelt sein. Ein guter Musikabend ist mehr als das bürgerliche Konzertritual mit Klassikern von Schumann und Strauss. Matthias Nöther

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