Kultur : KURZ & KRITISCH

Bernhard Schulz

KULTURPOLITIK

Ins Leere

gesprochen

Da hatte man sie schon einmal zusammen, die Generaldirektoren der drei großen deutschen Museumsverbünde aus Berlin, Dresden und München, dazu den für Kultur zuständigen Staatssekretär im Auswärtigen Amt – und dann blieb die Podiumsdiskussion über Kunst im diplomatischen Dienst doch nur in der Aneinanderreihung von Schlagworten stecken. Moderator Michael Naumann, früherer Kulturstaatsminister im Kanzleramt, fand in der Dresdner Bank am Pariser Platz einfach nicht den richtigen Draht zu den Befragten. Nein, instrumentalisieren ließen sich die Museen nicht, nein, Geld aus dem Ministerium hätten sie für ihren Auftritt in Peking nicht erhalten, nein, spezifisch deutsche Kunst wollten nicht sie vorzeigen, sondern die gastgebenden Länder hätten „Hunger“ nach diesen Bildern. Abrupter Themenwechsel: Beutekunst. Ob wir immer noch auf dem Standpukt der Haager Landkriegsordnung verharren wollten? Staatssekretät Peter Ammon, unerträglich hölzern, hier aber passend: „Wir haben keinen Anlass, unsere Rechtsposition aufzugeben.“ Die „versammelten Herren“ seien da „elastischer“, versuchte Naumann zu locken. Doch: „Das würde ich nicht sagen“, ließ ihn Reinhold Baumstark (München) abperlen. Peter-Klaus Schuster (Berlin) und Martin Roth (Dresden) nickten. So ging’s weiter – warum chinesische Kunst im Westen so großartig zu sehen sei, wie es mit der Provenienzforschung stünde, ob es Raubgut aus dem Irak in unseren Museen gäbe. Eine Wortmeldung Ammons erklärte Naumann flink zum „schönen Schlusswort“ – nach gerade einmal 60 Minuten. Vorhang! Bernhard Schulz

KUNST

Blüten vor

den Augen

Achtung, zerbrechlich! Das gilt nicht bloß für die Skulpturen von Ah Xian, sondern auch für das Menschenbild, das dahinter sichtbar wird. In der faszinierenden Soloausstellung des chinesischen Künstlers im Georg-Kolbe-Museum dominieren Büsten – 24 an der Zahl –, die überwiegend aus Porzellan gefertigt sind. Ihre Fragilität betont Xian in drei Arbeiten im Entree: Dort durchbrechen Lücken in der Ornamentik die Porzellanoberfläche und geben den Blick aufs hohle Innere frei (Sensburger Allee 25, bis 16. November, Di-So 10-17 Uhr, Katalog 25 €).

Ah Xian wurde 1960 in Peking geboren. Seit dem Massaker auf dem Tiananmen-Platz lebt der Künstler in Australien. Die Porzellantradition seiner Heimat hat er mitgenommen – Dekore aus dem 14. bis 19. Jahrhundert. Von Bekannten abgeformte Gesichter lässt der Autodidakt gleichsam zu Ming- oder Quing-Vasen erstarren. Unaufdringlich, wie zufällig korrespondiert das Dekor mit den Gesichtszügen. Die Lider sind stets geschlossen, zusätzlich wird die Augenpartie häufig noch von Schmetterlingen, Blüten oder chinesischen Gebirgszügen blockiert. Auch Xians drei Ganzfiguren sitzen, stehen und liegen in einer Parallelwelt. Jens Hinrichsen

ROCK

Scharfe

Schottin

So stark war die Nachfrage, dass das Konzert von Amy Macdonald vom Postbahnhof in die größere Columbiahalle verlegt wurde. Dudelsäcke blöken zum Entree der 21-jährigen Schottin im schottig rotkarierten Kleidchen. Die Jungs der Band rackern los, fröhlich lautes Gehämmer. Die zierliche Amy drischt gewaltige Akkorde in ihre Gibson-J-200-Akustikgitarre, lässt die selbstsichere Stimme rau und heftig durch den tosenden Saal fliegen. Es knallt und dampft. Mehr Rock ’n’ Roll als Folk oder Pop. Und es klingt unmittelbarer, direkter als auf dem Debüt- Album „This Is The Life“. Auch die Stimme ist besser, von verhaltenen Tönen bis zu voller Kraft voraus, und netten Kieksern zwischendrin. Wenn auch gelegentlich die Keyboard-Teppiche etwas zu dick und flauschig ausgerollt werden, dem bodenständigen Charme der hübschen „Glasgow Lassie“ mit dem so zauberhaften wie schwer verständlichen Akzent kann sich keiner entziehen. Auch nicht der eindringlichen Version von Leonard Cohens „Hallelujah“, wenn auch für dieses Lied K. D. Lang die Messlatte in unerreichbare Höhe gelegt hat. Springsteens „Dancing In The Dark“ mit schwerem schottischen Zungenschlag klingt betörend. Nach einer kurzweiligen Stunde die letzte Zugabe: „Let’s Start A Band!“ Gute Idee, denn mit dieser talentierten Sängerin und Songschreiberin kann noch viel draus werden. H. P. Daniels

KUNST

Blaue und

andere Wunder

Das Interesse für Afghanistan ist ein zweischneidiges Schwert. Denn es geht um eine Geschichte von Krieg, Tyrannei und internationalen Konflikten: 1979 der Einmarsch sowjetischer Truppen, der Bürgerkrieg nach dem Abzug, die Talibanherrschaft, dann die militärische Reaktion auf den 11. September. Im Deutschen Historischen Museum (Pei-Bau, bis 14. Dezember, tägl. 10-18 Uhr) zeigt man die Facetten Afghanistans jenseits von Taliban und Selbstmordanschlägen. Helmut R. Schulzes Fotoserie „Afghanistan“ stellt gewöhnliche Menschen in den Vordergrund. Bärtige Männer mit zerfurchter Stirn, die freundlich in die Kamera blicken. Studentinnen an der Uni Kabul, die einen Sommertag auf der Wiese verbringen, dabei jedoch ihre Burka nicht ablegen. Daneben stehen beeindruckende Naturfotografien. Im Norden und Osten des Landes bilden bis zu 3000 Meter hohe Bergpässe eine Barriere, im Süden und Westen erstrecken sich Sandwüsten. In Afghanistan gibt es aber auch das Naturwunder der „Blauen Seen“ von Band-e Amir. Der hohe Mineralgehalt lässt sie in einem leuchtendem Blau erscheinen.

Schulze, Jahrgang 1929, hat als Bildjournalist Politiker wie Hans-Dietrich Genscher auf Reisen begeleitet. Ganz unpolitisch sind auch seine Fotos nicht, die die fruchtbare Arbeit der Bundeswehr in Afghanistan zeigen. Möge der Aufbau von Straßen, Krankenstationen und Schulen rasch vorangehen. Damit das Land endlich zur Ruhe kommt. Armin Leidinger

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