Kultur : KURZ & KRITISCH

H. P. Daniels

ROCK

Heiliger

Elvis

Heißer Wüstenblues einer akustischen Slide-Gitarre weht durchs nachtdunkle Auditorium des ausverkauften Huxley’s. Handys glimmen, während die Musiker der dänischen Band Volbeat auf die Bühne marschieren, RATTATATTATAH hämmern sie los, schließlich geht es um Heavy Metal. „Guitars“, „Gangsters“, „Cadillac“ steht auf einer Wand von Lautsprecherboxen. Die neue CD „Guitars, Gangsters & Cadillac Blood“ ist eine Art Konzeptalbum, das Comic, Hardboiled-Krimi und die Geschichte einer Band miteinander vermischt. Überhaupt wird viel gemischt bei Volbeat, aufgemischt, durcheinandergewirbelt. Sie wirbeln über die Bühne, Bass nach links, Gitarre nach rechts, um die eigene Achse und wieder zurück. Aus blutigem Gemettel wird warmer Boogie, aus rhythmisch hartem Gebelle eine weiche Gesangsmelodie, Johnny-Cash-Zitate, metallisierter Doo-Wop. Zorniges Rattazong wird zu melodischen Mitsing-Hymnen. Auch finster aussehende Metal-Fans lieben Melodien. Sogar einen Hank-Williams-Song goutieren sie in der Version von Volbeat. Seine Vorliebe für Elvis hat Frontmann Michael Poulsen von seinem Vater, die für Heavy Metal von seiner Schwester. Er freut sich, dass so viele Fans gekommen sind, sagt er, aus den unterschiedlichsten Lagern: Jüngere, Ältere, Rockabillys, Punks, Blueser. Aber eigentlich sehen doch fast alle hier eher nach Heavy Metal aus. Trotzdem war es auch für einen Nichtmetaller ein Vergnügen. H. P. Daniels

TANZ

Auf der

Schwelle

Vladimir Malakhov ist im Gala-Fieber. Für Malakhov & Friends (wieder am 28.10., 19.30 Uhr in der Deutschen Oper) sind Tanzstars aus St. Petersburg, New York und Tokio angereist – und er selbst gibt den Galan. Zunächst setzt das opulente Programm auf die Klassiker: Balanchine, Bournonville, Petipa. In „Diamonds“ kann Polina Semionova als unnahbare Schönheit brillieren, während Irina Dvorovenko und Maxim Beloserkovsky vom American Ballet Theater aus dem Grand Pas de deux aus „Nußknacker“ eine knallige Showeinlage machen. Der Höhepunkt: Yevgenia Obraztsova und Vladimir Shklyarov vom Mariinskij-Ballett begeistern durch ihre Frische, mit elegantem Tschaikowsky und einer rasanten Tango-Variation. Ansonsten bietet die Gala im zweiten, dem zeitgenössischen Tanz gewidmeten Teil vor allem Kunstgewerbe. Bis Malakhov selbst noch ein bewegender Moment gelingt, als er in Béjarts „Serait-ce la mort“ zu Richard-Strauss-Liedern den müden Wanderer gibt, der sich auf der Schwelle zum Tod an die Frauen seines Lebens erinnert. Sandra Luzina

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