Kultur : KURZ & KRITISCH

Sybill Mahlke

KLASSIK

Mit Feuer buchstabiert

Gäbe es einen Wettbewerb um das liebloseste Programmheft für ein Orchesterkonzert, die Deutsche Oper Berlin hätte gute Gewinnchancen. Das Faltblatt, dem nachträglich ein Zettel mit der Satzfolge der beiden aufgeführten Werke eingelegt ist, scheint dem Stellenwert gemäß zu sein, den das Haus heute seinem Orches ter einräumt. Das Konzertleben an der Bismarckstraße ist der Gala anheimgefallen. Die Musiker haben den Chefdirigenten Palumbo überstanden und warten auf Runnicles. Und doch – als Klangkörper bewahren sie etwas von dem, was ihre leuchtende Historie unter Fricsay bis Thielemann an Funken und Motivation hinterlassen hat. Schade, dass ein Stück wie das Doppelkonzert für Violine und Violoncello von Brahms in der Akustik des Saales seine Feingliedrigkeit nur andeuten kann. Aber das Cellosolo von Michael Hussla provoziert zum Zuhören: introvertierter, zugleich klangsinnlicher Instrumentalgesang, dem das Violinsolo von Detlev Grevesmühl partnerschaftlich antwortet. Ohne auf sinfonische Routine bauen zu können, entfaltet das Orchester in der Fünften von Prokofjew mitreißende Virtuosität, nicht zuletzt, weil Steven Sloane dirigentisches Buchstabieren mit Feuer verbindet. Sybill Mahlke

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