Kultur : KURZ & KRITISCH

Jens Hinrichsen

KUNST

Bedrohliche Western-Welt

In der Kirche ist die Hölle los. Eva scheint einem der Buntglasfenster entstiegen, ein Sünder sinkt vor der Nackten in die Knie, mahnend bohrt ein Pastor seinen Zeigefinger in die schwüle Luft. Mit comichaftem Schwung gemalt hat das der New Yorker William Copley (1919 - 1996). Als Künstler war er ein Spätentwickler und ist, trotz zweimaliger Documenta-Teilnahme, bis heute ein Geheimtipp geblieben. Zunächst als Galerist in Los Angeles tätig, hat er sich für die Surrealisten starkgemacht. Der Galerist, Sammler und Immobilienhändler Reinhard Onnasch präsentiert über 30 der kindlich anmutenden Copley-Acrylgemälde und Tuschezeichnungen der sechziger bis achtziger Jahre in seinem Showroom „El Sourdog Hex“ (Zimmerstraße 77, bis 28. Februar, Di-Sa 11-18 Uhr).

Die Figuren stolpern als zerknautschte Stoffpuppen durch die Szene. Es sind gesichtslose Stereotypen, mit denen Copley seine puritanischen Wurzeln, Westernmythen und Momente moderner Freizeitgestaltung als absurdes Kasperletheater inszeniert. Bedrohlich wie in Russ-Meyer-Filmen wirken die drallen Frauen. Der Matchpoint im Tennis-Bild „Pennis Anyone“ (1981) dürfte an die splitternackte Spielerin gehen. In seinen „Western Songs“-Bildern betrachtet Copley das Treiben in Saloons und Bordellen durch die Dada-Brille. Vom Erfindungsgeist des Malers zeugt das Großformat „How the West was won“ (1982), in dem zwei drohende Hände jeweils aus Frauen- und Männerleibern zusammengepuzzelt sind.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben