Kultur : KURZ & KRITISCH

Nadine Lange

PANORAMA

Lehrgeld der Liebe:

„El niño pez“

Die Familie von Richter Bronté (Pep Munné) wohnt in einer guten Gegend von Buenos Aires. Das indianische Hausmädchen Lin (Mariela Vitale) und die Tochter Lala (Inés Efron) sind etwa im gleichen Alter – und ein Liebespaar. Die beiden planen nach Paraguay durchzubrennen, der Heimat von Lin. Doch dann sieht Lala, wie ihr Vater Sex mit Lin hat.

Die argentinische Regisseurin Lucía Puenzo inszeniert ihren zweiten Spielfilm „El niño pez“ (Das Fischkind) nach ihrer eigenen Romanvorlage (dt. bei Wagenbach), von der sie jedoch stark abweicht. Der Roman ist chornologisch erzählt, der in düsteren Bildern gehaltene Film pendelt zwischen den Zeitebenen, wodurch das Geschehen eine gewisse Geheimnishaftigkeit bekommt. Darin spiegelt sich der stockende Erkenntnisprozess von Lala, die erst nach und nach erkennt, wie wenig sie vom Schicksal ihrer Geliebten wusste. Inés Efron verkörpert dieses Mädchen in einer Mischung aus Verzweiflung und Wildheit. Sie muss viel weinen in diesem Film, der sich zeitweise nur in ihren großen Augen abzuspielen scheint. Dennoch kommt man dieser jungen Frau nie wirklich nahe, was auch an ihrer Verlorenheit liegt. Immerhin: Sie bastelt sich eine Art Happy Ending. Nadine Lange

14.2., 22.30 Uhr (Cubix 7 & 8)

FORUM

Vagabunden des Lebens:

„Calimucho“

Ein kleiner Wanderzirkus in Holland. Die Seiltänzerin schwankt beim Balancieren, Messerwerfer Willy trinkt zu viel, um sicher zielen zu können, und der Mann am E-Piano spielt erst beim dritten Anlauf endlich Moll statt Dur. Wenn das Zelt aufgebaut wird, am nächstbesten Ortsrand, regnet es wie immer in Strömen. Eine Plackerei, ein elendes Leben auf dem schlammigen Platz voller Wohnwagen.

Irgendwann merkt man: Das ist gar kein Dokumentarfilm, auch wenn der Zeltaufbau, der Alltag mit Lama und Kamel, Familienkrach und Zirkusnummern realitätsgetreu dokumentiert ist. Die Artisten des Zirkus Harlekino spielen sich nicht selbst, sondern ein stilles, bewegendes Drama. Dicky, Tochter des Chefs, und Schwägerin des Messerwerfers, kümmert sich um ihren Neffen Timo – ihre Schwester ist tragisch verunglückt. Sie bandelt mit einem tunesischen Zeltaufbauer an, muss sich entscheiden: zwischen Zirkus und Sesshaftigkeit, Timo und der Liebe. Die Musiker dichten dilettantisch-liebevolle Lieder dazu, und „Calimucho“ vagabundiert zwischen den Genres wie die Protagonistin zwischen den Welten. Die Wirklichkeit, die sich jeder Fiktionalisierung entzieht: Eugenie Jansens wunderbarer Film kommt ihr ganz nah. Christiane Peitz

15.2., 12.30 Uhr (Arsenal 1)

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