Kultur :  KURZ  &  KRITISCH 

Patrick Wildermann

THEATER

Eine schrecklich

nette Familie

Nicht unbedingt ein tröstlicher Gedanke, das Schicksal der Menschheit könnte in den Händen eines Jungen liegen, der Hase heißt. Mit Vor- und Nachnamen: Hase Hase also. Andererseits, wenn man sich die Weltenlenker heute so anschaut – die wissen ja alle von nichts.

In Coline Serreaus irrlichternder Familienfarce Hase Hase, nach der deutschsprachigen Erstaufführung durch Benno Besson am Schillertheater einer der größten Theaterrenner der neunziger Jahre, entpuppt sich jedenfalls der jüngste Spross der Kleinbürger-Familie Hase als außerirdischer Agent auf geheimer Mission, der beurteilen soll, ob die Bewohner des blauen Planeten noch eine Chance verdient haben. Im theater 89 ist diese Groteske der französischen Erfolgsautorin und Filmemacherin nun im Rahmen des verdienten Projekts „Tusch“ zu erleben, was für „Theater und Schule“ steht und seit elf Jahren einmal jährlich an verschiedenen etablierten Bühnen Berlins beweist, dass der Begriff Schülertheater zu Unrecht Schmähvokabel-Beiklang hat.

Die Laien-Schauspieler der jüdischen Oberschule, die in unmittelbarer Nähe des theaters 89 liegt, spielen in der Regie von Gabriele Förster eine klug verdichtete, hübsch schwarzhumorige Serreau-Fassung (wieder am 18., 19., 25. und 26. März, Torstraße 216 in Mitte). Wie Mutter Hase unerschütterlich ihren übervollen Familienstall zusammenzuhalten versucht, während Vater die Arbeit verliert, die Söhne sich als Terroristen entpuppen und die Töchter von gescheiterten Beziehungen heimkehren, das birgt auch bei dem jungen Ensemble eine abgründige Komik. Patrick Wildermann

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