Kultur : KURZ & KRITISCH

Sybill Mahlke

KLASSIK

Warum ist es

am Rhein so schön?

Eine Fanfare sprudelt in Klangkaskaden auf, A Celebration zum 150-jährigen Bestehen von Texas im Jahr 1987. Sie trägt die Handschrift von Elliott Carter, dem seit kurzem 100-jährigen Komponisten, und sie scheint zu verheißen, dass ein besonderes Konzert der Berliner Philharmoniker seinen Anfang nimmt. Michael Bode steht am Pult, der wohlbekannte Dirigent, dem zeitgenössische Musik von Reimann und Henze am Herzen liegt wie die Wagnerwelt. Und doch, es will diesmal so differenziert nicht gehen. Die „Rheinische“ von Schumann wird zu einer Rheinfahrt von pauschalem Schwung. „Feierlich“ trösten erst die berühmten philharmonischen Hörner. Sie gehören zu den Fixpunkten des Abends wie der Oboist Albrecht Mayer oder der Bratschist Wilfried Strehle mit ihren Soli. Der Anblick des Orchesters aber verzeichnet Sparsamkeit, weil höhere Ansprüche wie die der Salzburger Osterfestspiele bevorstehen. Ökonomie, Aushilfen also in der Philharmonie, verfremdeter „Klangkörper“ (noch einmal heute). Rattles Festbesetzung sieht anders aus. Bleibt die philharmonische K-Frage. Nachdem Toru Yasunaga heimgekehrt ist gen Japan, steht seine Position offen. Ein neuer Erster Konzertmeister darf sich einsam als Probant präsentieren: Axel Strauss. Er wirkt vorerst wie ein Gast, noch nicht als Gruppenführer der Violinen. Respektabel gelingt Lutoslawskis zündendes Konzert für Orchester, ebenso auch Wagners Wesendonck-Zyklus. Die Lieder, die von Engeln, Träumen und Tod sprechen, sind ursprünglich als intime Klavierlieder konzipiert. Anja Kampe singt sie mit optimistischem Sopran. Sybill Mahlke

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