Kultur :  KURZ  &  KRITISCH 

Eva Kalwa

KUNST

Farbkleckse

des Zufalls

Wie ein unpassend gekleideter Besucher steht das pinkfarbene Schild mit der Aufschrift „agieren und besetzen“ im Vorgarten des Mies van der Rohe Hauses in Hohenschönhausen. Auch im hinteren Teil des Gartens hat Andreas Reiter Raabe zehn dieser knallbunten Rechtecke, die „natural monochromes“, aufgestellt. Doch der erste Moment der Befremdung weicht bald dem Eindruck von Harmonie und Balance. Das Mies van der Rohe Haus zeigt Arbeiten des Wiener Künstlers, die sich spielerisch mit dem Wesen der Malerei auseinandersetzen (Oberseestraße 60, bis 3. Mai, Di-So 11-17 Uhr).

Während die vierflächigen und -farbigen „Attachments“ über die Abstraktion zur Narration führen, verweigern die „Drippings“ jegliche Deutungsmöglichkeit. Auf den großen weißen Flächen spielen viele kleine bunte Farbkleckse auf den Malprozess an und fragen nach der Bedeutung des Zufalls. Ähnlich losgelöst vom künstlerischen Schaffensprozess wirken die „Architekturmalereien“ in der ehemaligen Wohnhalle des Hauses. Hand und Pinsel des Künstlers scheinen die lackierten, lichten Glasflächen nie berührt zu haben.Eva Kalwa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben