Kultur : KURZ & KRITISCH

Isabel Herzfeld

KLASSIK

Im Dickicht:

Das RSB spielt Furtwängler

„Groß, einfach, monumental“ wollte Wilhelm Furtwängler sein „Sinfonisches Konzert“ für Klavier und Orchester schreiben, ein Werk voller Düsternis, das die Spuren der Konflikte seines Entstehungsjahrs 1936 trägt. Was jedoch Marek Janowski und das Rundfunk-Sinfonieorchester mit brillanter Akribie in der Philharmonie vorstellen, entpuppt sich als ein arger Koloss, der am Missverhältnis zwischen horrenden Schwierigkeiten und musikalischer Einfallsarmut krankt. In der Überfülle sich ähnelnder Themen wähnt man sich immer irgendwo in einem der beiden Klavierkonzerte von Johannes Brahms.

Tapfer bahnt sich der Solist Gergely Bogányi seinen Weg durch das klangliche Dickicht, in der das Schicksal stets in Gestalt von Blech und Percussion zuschlägt. In einfühlsamer Genauigkeit behandelt Bogányi jedes Detail als das eines großen Kunstwerks. Ihm steht ebenso der Eisenzugriff im verzweifelt hämmernden Oktav-Martellato zu Gebote wie die differenzierte Durchleuchtung des vollgriffig wuchernden Passagendschungels. Doch die nuancierte Anschlagskultur des jungen Ungarn kommt erst bei der begeistert erklatschten Chopin-Zugabe richtig zur Geltung – diese Sensibilität ist sein eigentliches Terrain.

Dem düsteren Konzert steht die lichtvolle „Sinfonia domestica“ von Richard Strauss gegenüber, virtuoses Futter für das Orchester, das bei sorgsam aufgebauten Steigerungen mit viel Streicherschmelz, zarten Oboentönen und prachtvollen Hörnern punkten kann. Bei aller Opulenz zeigt die Sinfonia doch vor allem, dass Komponieren auch Weglassenkönnen bedeutet. Isabel Herzfeld

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