Kultur : KURZ & KRITISCH

Isabel Herzfeld

KLASSIK

Feuerprobe: Walter Weller

und das Konzerthausorchester

Ein populäres Programm, ein Starsolist, das Konzerthaus bis unters Dach gefüllt – der Auftritt des Konzerthausorchesters mit dem österreichischen Dirigenten Walter Weller lässt Schönes, doch nicht unbedingt Überraschendes erwarten. Joseph Haydn entpuppt sich in der Sinfonie „Der Bär“ als erstaunlich konventionell, so sehr sind volltönende Instrumentation und griffige Form Standard geworden. Überraschender eher, wie frisch und herzerwärmend Wellers auch nicht nach Neuerungen schürfende Lesart klingt. Der Primarius des Weller-Quartetts zaubert weichen, warmen Streicherklang, kostet die Pracht von Hörnern und Trompeten voll aus und gibt den Kontrabassvorschlägen im „Dudelsack“-Finale humorvolle Kontur. Feuer und Innigkeit formt auch Beethovens Zweite: ganz aufs zerklüftete Finale zustrebende Revolutionsmusik, die aber strukturierte Klangräume aus transparenter Dynamik und Innenspannung aus pulsierenden Rhythmen bezieht.

Zwischen den Klassikern das 2. Cellokonzert von Camille Saint-Saëns als verzweifelte, atemberaubend virtuose Suche nach dem eigenen Profil vor der Übermacht der Tradition. Wie Alban Gerhardt die Doppelgrifftremoli, Oktavglissandi und schwindelerregenden Flageoletts mit sonorer Energie versieht, das ruft Begeisterung hervor, die mit einer Bach-Sarabande belohnt wird. Isabel Herzfeld

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