Kultur :  KURZ  &  KRITISCH 

Frederik Hanssen

KLASSIK

Frisch: Das Landesjugendorchester

im Konzerthaus

Während sich ihre Altersgenossen über die Feiertage die Bäuche mit Schokolade vollgeschlagen haben, saßen die Musiker des Berliner Landesjugendorchesters schwitzend über ihren Noten. Als krönender Abschluss der österlichen Arbeitsphase winkte den 58 Nachwuchsinstrumentalisten ein Auftritt im Konzerthaus. Am Beginn des interessanten skandinavischen Programms steht ein Opus 1 – wie passend für die Newcomer-Truppe: die Ossian-Ouvertüre, mit der Niels Gade sich 1841 in der Musikmetropole Leipzig präsentierte. Eine frühromantische Tondichtung, die die Musiker noch etwas schüchtern angehen. Wie Selbstbewusstsein klingt, demonstriert anschließend die 20-jährige Julia Kammerlander im (leider etwas aus der Mode gekommenen) Klavierkonzert von Edvard Grieg. Erstaunlich, wie kaltblütig sie die virtuosen Passagen angeht, wie die zierliche junge Frau pianistische Pranke zeigt, wo es nötig ist. Am meisten aber begeistert die chopineske Eleganz, mit der sie die Melodien modelliert – so kann ein Kitschverdacht gar nicht erst aufkommen.

In Jean Sibelius’ 1. Sinfonie hält Dirigent Hermann Bäumer den Erregungspegel hoch, setzt auf Emphase statt Analyse der asymmetrischen Klangarchitektur. Ein angemessener Interpretationsansatz: Das Nebeneinander krasser Kontraste dürfte den 14- bis 25-jährigen Jugendlichen aus ihrem eigenen Leben bestens bekannt sein. Frederik Hanssen

KUNST

Frei: Rebecca Horns Schüler

in der Kommunalen Galerie Berlin

Ein Kranz aus pechschwarzen geflochtenen Zöpfen: kraftvoll-dynamisch im Kreis gewunden, doch sind sie abgeschnitten. Ein Feuertanz peruanischer Indianerfrauen? Die Installation Antonio Paucars strotzt vor weiblicher Kraft. Zusammen mit den Künstlern Ali Kaaf, Jakob Schaible und Markus Wüste – alle Schüler von Rebecca Horn – zeigt Paucar seine Arbeiten in der Ausstellung Ode in der Kommunalen Galerie Berlin (Hohenzollerndamm 176, bis 31. 5.; Di–Fr 10–17 Uhr, Mi bis 19 Uhr, So ab 11 Uhr). Feierlich verbindet das Poem der Kunst den Chor der Künstler mit den Strophen aus Skulptur und Bild, Installation und Videoprojektion. Markus Wüstes Steinskulptur aus Basalt und Granit mit dem Titel „Provisorische Anarchie I“ zeigt einen Schilderstab mit dem Hinweis auf das Fehlen des Hinweisschildes. Das Kreuz aus Salzkristallen von Jakob Schaible thematisiert Urform und Materie zugleich. Die Salzkristalle sind das Ergebnis einer unsichtbaren Transformation von Salzsäure auf Leinen. Den Arbeiten gemeinsam ist der alchemische Gedanke. Etwas Gegensätzliches verschmilzt, etwas Neues entsteht. Dabei geht es um das, was man nicht sieht. Das irritiert.

Ala Rassi, Ala Rassi, Ala Rassi ... Mantraartig folgt man dem arabischen Gruß eines Mannes in der Videoperformance von Ali Kaaf, der die Hand von der Körpermittte zum Kopf führt. Ala Rassi, Ala Rassi – schon nach kurzer Zeit verschwimmt die Grußformel zu einem Brei aus Silben. Julia Boeck

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