Kultur : KURZ & KRITISCH

Jan Schulz-Ojala

KLASSIK

Virtuos und glockenklar:

Trio Capuçon im Kammermusiksaal

Dass Anlagestrategien der Banca della Svizzera Italiana so weit hineinreichen können in ein einfachen Kammermusikabend, hätte man nicht vermutet. Gautier Capuçon, Bruder des Geigers Renaud Capuçon und Cellist des gleichnamigen Trios mit Nicholas Angelich am Klavier, spielt auf einem Instrument aus dem frühen 18. Jahrhundert, das ihm die Bank als Leihgabe zur Verfügung gestellt hat. Und dieses Violoncello, dunkelrotbraun marmoriert, ist von einer Potenz, klingt so sonor unterkellert, strahlt dermaßen kirchenglockenmächtig aus, dass man versucht ist, nicht drei, sondern weitere unsichtbare Musiker im philharmonischen Kammermusiksaal zu vermuten. Mitunter wirkt das Klavier dagegen filigran, fast verkitscht, etwa im Andante grazioso von op. 101, dann wieder rückt die Geige aus dem Hörfeld, zerfetzt die Kraft, die vom Cello ausgeht, den vom Genre gesetzten intimen Rahmen – vielleicht zu Recht. Schließlich geht es um Brahms-Trios, C-Dur, c-Moll, H-Dur, einmal quer durch ein Komponistenleben; das Repertoire braucht Klangfülle, die das Trio Capuçon virtuos herzustellen vermag. Sowieso ist Brahms ein Meister der Mittelstimmen, der weiten Griffe in die Bässe, deren Massigkeit, auch das wird hörbar, sich durchaus in andere Dimensionen übertragen lässt. Denn auch agogisch reizt das Trio die Vorgaben aus. Bauchig klingen die langsamen Passagen schon des Allegro von op. 87; die Capuçons setzen behäbige Ritardandi und stemmen dem Treiben der gern behende tockernden Welt ihre Auszeiten entgegen. Ein Brahms-Abend, der in vielerlei Hinsicht groß zu nennen ist. Christiane Tewinkel

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