Kultur : KURZ & KRITISCH

André WeikardD

VARIETÉ

Ausgezogen: „Ganz oder gar nicht“ im Admiralspalast

Cowboys, die sich küssen, Hausfrauen, die für einen Pin-up-Kalender posieren, und Arbeitslose, die sich ausziehen. Auf der Leinwand gab’s das schon. Ex-Missfit Geburg Jahnke sorgte dafür, dass die strippenden Kerle auch auf die Bühne kamen. Zuerst in Oberhausen, dann in Hamburg und jetzt im Berliner Admiralspalast (tägl. bis 23.5.). Dafür wird der Plot der britischen Kultkomödie „Ganz oder gar nicht“ in den Ruhrpott verlegt. Genauer: in den Warteraum einer Arbeitsagentur. Da bringt ein Poster die Hartz- IV-Anwärter HP, Heiner und Paco auf die Idee, so wie die muskelbepackten Chippendales „ein bisschen am Gummischlüpper zu ziehen“. Das mutige Trüppchen macht sich selbstständig – als Stripper. Weil die raubeinigen Jungs mehr Haare auf der Brust und Speck auf den Hüften haben als Ahnung vom Animationstanz muss einiges passieren. Und dann war da noch die Sache mit dem Ausziehen. Es ist tatsächlich noch lustiger als im Film, wenn da sechs Männer verschämt die Slips zum Vorschein kommen lassen. Die leisen sozialkritischen Töne der Vorlage gehen im schamlos-harmlosen Sound von „You Can Leave Your Head On“ verloren. Trotzdem: Berliner Jungesellenabschiede werden in den nächsten Wochen im Admiralspalast gefeiert.André Weikard

KLASSIK

Ausgeflogen: Barocklounge im Radialsystem

Einmal mehr zelebriert man im Radialsystem die Vereinigung von Barockmusik und Clubkultur; das Elbipolis-Barockorchester Hamburg trifft auf DJ Brezel Göring von Stereo Total, und zwar in extra entspannter Umgebung. Weiße Möbel, feines Essen sowie Beamerbilder an der Wand, passend zum Thema „Outer Space“: Miss Piggy, historische Radierungen, Astronauten, Fotografien aus dem All und spätantike Tafeln mit Planetenkonstellationen. Von hier aus nämlich, von den antiken Theoretikern, die sich dachten, dass das Weltall tönt, geht das Ganze los. DJ Brezel Göring beginnt mit, na klar, sphärischen Klängen, bis ihn das zehnköpfige Elbipolis-Orchester in leichter Schönheits-Schräglage ablöst. Gegen die Sensibilität, die Zackigkeit der Remix-Mischung aus Probenmusik, live Übernommenem und allerlei Düdeldü, gegen Brezels Einfallsreichtum und Verspieltheit muss man erst mal ankommen. Mit Lullys „Ballet des sept Planettes“, das anfangs sehr spröde tönt, gelingt das noch nicht so gut wie mit Pachelbels berückendem Kanon oder Christoph Bernhards „Ballet von Zusammenkunft und Wirkung der VII Planeten“. Allmählich finden die Mitwirkenden zusammen, im Publikum wird leis gelacht über all das Hin und Her.Christiane Tewinkel

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