Kultur : KURZ & KRITISCH

Eleni Mandell singt Songs aus ihren sieben Alben. Franz Xaver Kroetz setzt sich mit dem Versuch eines jungen Paares auseinander, ein bisschen Glück in einem faden Dasein zu ergattern.

H.P. Daniels,Christoph Funke

POP



Rote Schuhe, rote Lippen: Eleni Mandell im Quasimodo



Eleni Mandell hat viele Talente: Malerei, Theater, Literatur. Doch sie ist Musikerin geworden, nachdem sie ihr erstes Album „Wishbone“ vor zehn Jahren noch selbst finanzieren musste und nicht ahnte, was noch kommen wird. Eine ganze Menge, wie man heute weiß: sieben Alben, unzählige Konzerte, etliche Auszeichnungen. Im Quasimodo steht die Songwriterin aus Los Angeles zunächst ganz allein da. Im schwarzen Kleid, mit roten Strumpfhosen, roten Schuhen und sehr roten Lippen. Sie schrummelt eine exotische elektrische Kaufhausgitarre aus den sechziger Jahren und singt „Salt Truck“. Dann kommen die Jungs von der Band und Eleni singt „Girls“, sehr schwer und schön und langsam, im Walzertakt. Sie muss nicht kreischen oder brüllen, um Beachtung zu finden für ihre poetischen Skizzen über alles Glück und Unglück der Liebe. Es folgen die zauberhaften Songs vom jüngsten Album „Artificial Fire“, zu mal dezent geklöppelten, mal gehämmerten Drums von Kevin Fitzgerald, zum warmbauchigen Bass vom ehemaligen Blondie-Mitstreiter Nigel Harrison. Und zu den exorbitanten Soundeffekten des Danelectro-Gitarristen Jeremy Drake, der dieser schönen Mischung aus Rock, Barjazz, Folk und Country eine ganz besondere blaue Note verleiht.

Nach zwei Stunden steht Eleni wieder allein da, mit einer berauschenden Version der Ballade „Sugar In Your Coffee“. Und schließlich noch mal im finalen Gitarrengeschrägel von „Nickel Plated Man“, einem Rückblick auf das erste Album von 1999. Eleni Mandell ist weit gekommen. Und sie wird weitergehen, ihre Musik immer wieder erneuern. H.P. Daniels


THEATER

Kleine Leute, große Liebe: Kroetz im bat-Studiotheater

Eine Idylle aus dem Jahr 1972. In „Oberösterreich“, dem ersten Stück seiner Münchner Trilogie, setzt sich Franz Xaver Kroetz mit dem Versuch eines jungen Paares auseinander, ein bisschen Glück in einem faden Dasein zu ergattern und trotz finanzieller Bedrängnis auf die Abtreibung eines Kindes zu verzichten. Kroetz kreuzt die Gefährdung dieser Liebesbeziehung mit der unstillbaren Sehnsucht einfacher Leute nach etwas Besonderem. Die junge Regie-Studentin Catherine Umbdenstock im Studiotheater bat liest das Stück anders. Sie glaubt nicht an die Rettung der durch die Schwangerschaft bedrohten Beziehung und treibt das Geschehen am Ende mit verstörender Brutalität in die Katastrophe.

Bei Umbdenstock macht Heinz die Instrumente zur Abtreibung heiß, schleift Anni mit dem Hochzeitsfoto hinter den Vorhang und vollzieht den Tötungsakt. Gegen die Entscheidung, Kroetz’ tranige Freundlichkeit aufzurauen und rücksichtslos ins Heute zu reißen, ist nichts einzuwenden. Aber mit der höhnischen Umkehr des Endes, Mord statt Bekenntnis zu etwas Anderem, inszeniert die junge Regisseurin ein anderes Stück. Dabei zeigen die Schauspielstudentin Pia Luise Händler (Anni) und Philipp Rothkopf (Heinz) gerade in den ersten Szenen anrührend das allmähliche Abklingen einer großen Liebe, werden aber dann in hektisch grobe Auseinandersetzungen getrieben. Auch der Humor und der Witz verlieren sich: Die Tragödie nimmt ihren Lauf, ausweglos, ohne dass es gelänge, die sozialen Bezugspunkte der Ehegeschichte schärfer, beunruhigender herauszuarbeiten als bei Kroetz. (noch einmal am 14. Mai) Christoph Funke

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