Kultur : KURZ & KRITISCH

Jörg W,er

Frag uns was: Yo La Tengo

im Babylon Mitte

Das angekündigte Wunschkonzert sei ein Missverständnis, stellt Ira Kaplan, Sänger und Gitarrist von Yo La Tengo, im Babylon Mitte süffisant fest. Die Sache werde anders ablaufen: Man möge ihnen Fragen stellen, aus denen sich dann die Songs ergeben. Dass dieses Konzept aufgeht, liegt an der Bereitschaft der Band, ebenso charmant wie ausführlich Auskunft zu geben. So entspinnt sich eine amüsante Kommunikation, bei der man einiges über das Trio aus Hoboken erfährt sowie Songs aus dem in 25 Jahren angesammelten Repertoire zu hören bekommt. Yo La Tengo nutzen den intimen Kinosaal für eine Demonstration ihrer feinmotorischen Talente: Normalerweise ein Meister rabiater Feedbackeruptionen, beschränkt sich Ira Kaplan hier auf die akustische Gitarre, die er gelegentlich aufkreischen lässt. Dazu zischelt seine Gattin Georgia Hubley mit dem Besen auf ihrem minimalistischen Schlagzeug, während Bassist James McNew eins mit seinem Stuhl zu werden scheint. Yo La Tengo haben schon immer Brücken vom luftigen Doo Wop und Surf der frühen sechziger Jahre zum schroffen Noiserock-Gemeißel von Sonic Youth gebaut. Aber so sehr wie beim rührenden „Shadows“ mit Georgias verstimmtem Gesang oder der hinreißenden Sun-Ra-Interpretation „Dreaming“ haben sie noch nie nach verlorenen Zeitreisenden geklungen. Vor der Zugabe brüllen alle schnell noch ihre Lieblingssongs in Richtung Band, die diese in der knapp zweistündigen Show ausgelassen hat: ein heilloses Stimmenchaos, dessen Nervigkeit die veränderte Konzertidee allemal rechtfertigt. Jörg Wunder

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