Kultur :  KURZ  &  KRITISCH 

Carsten NiemannD

YOUNG EURO CLASSIC

Klangtänze: Dänische Studenten spielen Mozart und Tangos

Ach, ein Studentenorchester – so der erste Eindruck, den das Symphonieorchester der Universität Süddänemark beim Festival Young Euro Classic im Konzerthaus mit Carl Nielsens Snefried-Suite hinterlässt. So ganz machen die jungen Musiker nicht vergessen, dass ihre Klänge profanem Holz, Blech und Draht abgetrotzt sind. Aber dank der Solisten spielt sich das Orchester dann doch frei. Den Anfang macht der Pianist Eskild Skovbakke Winding mit Mozarts Klavierkonzert KV 414. Vielleicht fehlt dem 27-Jährigen an rhythmisch kniffligen Stellen noch letzte Geläufigkeit, seine Musikalität und sein singender Ton machen dies jedoch wett.

Nach der Pause wird das Ensemble in Mark Kopytmans „Kaddisch“ zum reinen Streichorchester. Die Konzentration tut dem Klang gut, zumal die Streicher die so flexible wie voluminöse Tongebung der Solobratscherin Naja Helma einigermaßen aufnehmen können. Selten hat ein Solist die Stimmung bei einem Konzert derart herumgerissen wie der 1969 geborene Bandoneonspieler Paolo Russo: ein Clown und Latin Lover, der sich bei den Tangos von Piazzolla charismatisch hingibt. Plötzlich merkt man auch, welch lockerer, charismatischer Kerl in dem aus Argentinien stammenden Dirigenten Saul Zaks steckt. Carsten Niemann

KUNST

Farbenpracht: Der Maler Waldo

im Mies van der Rohe-Haus

Man könnte meinen, nicht nur die Farbkompositionen von Waldo Balart folgen einem logischen Prinzip. Auch Ort und Zeitpunkt scheinen genau berechnet, so stimmig ist die Ausstellung seiner Werke im Mies van der Rohe-Haus (bis 27. 9., Oberseestraße 60, Di-So 11-17 Uhr). Durch die Fenster fallen Sonnenstrahlen, die die Farben der Bilder zum Leuchten bringen. Zweitens feiert das Bauhaus, dem Mies van der Rohe angehörte, seinen 90. Geburtstag: Die Design-Schule hat den 1931 auf Kuba geborenen Balart geprägt. Drittens ist Sommer – das passt zu dem Gemälde, das der Maler eigens für die Ausstellung schuf: „Summertime is already here.“ Normalerweise bezeichnen Buchstaben- und Zahlenkombinationen seine Gemälde, ähnlich wie Bauanleitungen. Balart nummeriert das Farbspektrum des Regenbogens durch, ein Zahlenraster ordnet die Farbkombinationen dann den Bildern zu. Als Motiv verwendet der Künstler das Quadrat; zwei Diagonalen durchschneiden die Fläche und begrenzen die Farbfelder. Dabei überrascht die trotz aller Geometrie lebendige, warme Aura der Serie. Balart treibt ein charmantes Spiel mit den Gesetzen der Physik. Er macht Licht sichtbar, in den reinsten, sattesten Farben, die die Natur dem menschlichen Auge zu bieten hat. Anna Pataczek

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